Die Inflation ist hoch, die finanzielle Belastung insbesondere von Menschen mit geringem, aber auch mittlerem Einkommen nimmt immer weiter zu. Immerhin eine kleine Steueränderung sorgt bei Millionen Arbeitnehmern ab Juli für ein Plus auf dem Konto. Weil der Grundfreibetrag sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag steigen, bekommen Angestellte ein etwas höheres Nettogehalt ausgezahlt.

Der Grundfreibetrag steigt von aktuell 9984 Euro auf 10.347 Euro. Das bedeutet, wer weniger als diesen Betrag im Jahr verdient, muss gar keine Steuern zahlen. Für alle anderen gilt, dass das Einkommen bis zu dieser Grenze steuerfrei bleibt. Wird der Grundfreibetrag nun wie geplant angehoben, zieht der Fiskus weniger Lohnsteuer vom Bruttogehalt ab. Das Nettogehalt fällt höher aus.

Darüber hinaus wird auch der Arbeitnehmerpauschbetrag, den Steuerzahler als Werbungskosten bei der Steuererklärung anrechnen lassen können, von 1000 Euro auf 1200 Euro angehoben. Beide Änderungen treten am 1. Juli rückwirkend zum 1. Januar in Kraft.

Entlastung wird rückwirkend ausgezahlt

Wie groß die Entlastung im Einzelnen ist, haben Steuerexperten der mobilen Steuer-App Taxfix für die Berliner Zeitung ausgerechnet. Demnach müsste ein Arbeitnehmer ohne Kinder (kirchensteuerpflichtig) in der Steuerklasse I mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3500 Euro rund 12 Euro monatlich weniger Steuern zahlen. Was nach nicht viel klingt, könnte sich zumindest im Juli summieren: Da die Steueränderung rückwirkend gilt, müssen Arbeitgeber, sofern es ihnen wirtschaftlich zumutbar ist, die zu viel einbehaltene Lohnsteuer aus der ersten Jahreshälfte korrigieren. Der Angestellte kann im Juli also mit einem Plus von 84 Euro rechnen.

„Ändert der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug nicht, können die höheren Freibeträge bei der Veranlagung zur Einkommensteuer geltend gemacht werden“, erklärt Taxfix. Hierfür muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

Einmaliger Kinderbonus von 100 Euro

Ein zweites Beispiel: Bei einer Alleinerziehenden mit einem Kind in Steuerklasse II mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3500 Euro (nicht kirchensteuerpflichtig) beträgt die Entlastung nach der Berechnung von Taxfix ab Juli rund 11 Euro pro Monat. Plus Rückzahlung addiert sich die Steuerentlastung im Juli auf 77 Euro. Hinzu kommt im Juli ein einmaliger Kinderbonus in Höhe von 100 Euro.

Von dem Bonus profitieren nicht nur Alleinerziehende. Die 100 Euro werden pro Kind ausgezahlt. Eine Familie mit zwei berufstätigen Eltern und drei minderjährigen Kindern mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 4500 Euro (Steuerklasse III, nicht kirchensteuerpflichtig) und 2500 Euro (Steuerklasse V, kirchensteuerpflichtig) profitiert zusammen von rund 22 Euro Entlastung pro Monat, bedeutet für die Monate Januar bis Juli 154 Euro plus 300 Euro Kinderbonus.

Freiberufler und Rentner profitieren später

Die beschlossenen Entlastungen seien ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Florian Machnow von Taxfix. „Bei der Erhöhung des Grundfreibetrags wurde allerdings eine Inflation von drei Prozent erwartet“, so Machnow. Im Mai betrug die Inflation jedoch deutlich mehr: 7,9 Prozent. „Um Steuerzahlende wirklich zu entlasten, müsste die Regierung noch einmal nachbessern“, so der Experte.

Aktuell profitieren außerdem nur Arbeitnehmer von dem höheren Grundfreibetrag. Zwar werden auch Freiberufler und Rentner entlastet, da sie keine Lohnsteuer zahlen, jedoch wird sich die Entlastung erst mit der Steuererklärung für 2022 bemerkbar machen.