Die Luftfahrtbranche wächst und wächst und wächst. Im vergangenen Jahr war es global ein Plus von 5,3 Prozent bei der Passagierzahl. Doch zugleich geht es vielen Airlines schlecht. Eine Art dauerhafte Konsolidierungswelle schwappt durch die Branche. Jüngstes Beispiel ist die Fusion von US Airways und American Airlines.

Wie das zusammenpasst? Ganz einfach: Beim wichtigsten Kostenfaktor, den Ausgaben für den Treibstoff, geht es seit geraumer Zeit exorbitant in die Höhe. Zweitens: Insider machen immer wieder darauf aufmerksam, dass die Branche „keine industrielle Logik“ kennt. Statt mit Bedacht zu investieren, bestellen Airline-Manager Jets en gros sobald sie kleinste Wachstumschancen wittern. Besonders ausgeprägt ist dies bei staatlich kontrollierten Airlines etwa aus den arabischen Emiraten. So sind riesige Überkapazitäten entstanden, die zu heftigen Preiskämpfen führen.

Hohe Kerosinkosten und billige Tickets führen dazu, dass viele Airlines noch nicht einmal genug Geld erwirtschaften, um ihre Kapitalkosten zu decken. Das muss eigentlich zwangsläufig in die Pleite führen. Gleichwohl konnten viele Fluglinien den Absturz verhindern. Regierungen haben ihnen dann geholfen – so geschehen etwa mit Alitalia in den Jahren 2008/2009. In den USA haben sich viele Airlines mit mehrfachen Kapitalerhöhungen über Wasser gehalten. Wenn das nicht mehr griff, konnten sie sich mittels des US-Insolvenzrechts retten. Die Firmen können unter dem sogenannten Chapter 11 ihre sämtlichen vertraglichen Verpflichtungen neu aushandeln, und sie sind zugleich vor den Forderungen ihrer Gläubiger geschützt.

American Airlines ist in den vergangenen 15 Monaten unter Chapter 11 geflogen, konnte damit Kosten merklich drücken. Durch die Fusion mit US Airways wird nun das Insolvenzverfahren beendet. Gleichwohl werden durch den Zusammenschluss Aufwendungen weiter reduziert. Denn es gibt Größenvorteile in vielerlei Hinsicht: Beim Kauf neuer Flieger fallen Bestellungen größer aus, deshalb gibt es höhere Rabatte. Auch Wartung und Instandhaltung können günstiger werden. Der wichtigste Faktor ist aber, dass die Routennetze der beiden Fluglinien miteinander verzahnt werden. Das bedeutet auch: Verbindungen, die bislang beide Airlines angeboten haben, werden nur noch von einer offeriert. Unter dem Strich bedeutet das, dass in den USA das Angebot an Flügen verknappt wird, also Kapazitäten aus dem Markt herausgenommen werden.

Das hat auch Auswirkungen auf die Ticketpreise. „Die stärkere Kapazitätsdisziplin – welche üblicherweise mit einer Konsolidierung einhergeht – sollte es den Carriern erlauben, die Durchschnittspreise und somit ihre Profitabilität zu erhöhen“, erläutert Johannes Braun, Analyst der Commerzbank. Auch Tobias Grosche vom Beratungsunternehmen Airconomy erwartet, dass „wir nun weitere Aufschläge sehen werden“. Er geht davon aus, dass dies vor allem durch die Ausweitung des „Unbundling“ geschieht.

Billigflieger arbeiten seit Jahren nach diesem Prinzip. Der Ticketpreis wird immer weiter zerlegt. Es gibt einen Grundtarif und für Extras gibt es Aufschläge, also etwa für Passagiere die schweres Gepäck mitbringen. Aber auch für den Zugang zur Lounge, für ein schnelles Check-in oder für einen Sitz mit mehr Beinfreiheit muss dann extra bezahlt werden. Das werden auch die Fluggäste in Europa früher oder später zu spüren bekommen. Denn die Experten sind sich einig, dass die Luftfahrt hier in Sachen Konsolidierung noch einiges nachzuholen hat.