Berlin - Die krisengeschüttelte Warenhauskette Galeria Kaufhof kommt nicht zur Ruhe. Der kanadische Mutterkonzern Hudson's Bay Company (HBC) hat sich überraschend von seinem Chef Jerry Storch getrennt. Er verlässt die gleichfalls kriselnde HBC nach gut zweieinhalb Jahren zum 1. November, wie das Unternehmen am Wochenende mitteilte. Kommissarisch übernimmt Verwaltungsratschef Richard Baker den Posten.

Die Kaufhof-Führung versicherte zwar, die Personalie habe keine Auswirkungen auf das deutsche Geschäft. Doch der Abgang deutet darauf hin, dass es bei HBC  unterschiedliche Auffassungen auch über die Strategie in Deutschland gibt, was für Kaufhof höchst problematisch sein dürfte.

Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen und schreibt rote Zahlen. Wegen dieser Probleme will das Management in Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi Einschnitte bei den Gehältern der 21.000 Mitarbeiter durchsetzen. Auch HBC geht es schlecht. Der Konzern hat im Geschäftsjahr 2016 ein Minus von 360 Millionen Euro verbucht. Darauf folgten Massenentlassungen in Nordamerika. Die wirtschaftliche Lage hat sich bisher aber nicht gebessert. HBC betreibt unter anderem große Warenhäuser  in Montreal und Vancouver oder das Saks Fifth Avenue in New York.

Konzern will an Strategie festhalten

Der Verwaltungsrat des Konzerns soll Medienberichten zufolge Storch vorgeworfen haben, die Lage in Deutschland und Europa falsch eingeschätzt zu haben. Zuvor hatten bereits andere ranghohe HBC-Manager das Unternehmen verlassen. Baker schrieb in einem Brief an die Mitarbeiter, HBC werde auch nach dem Ausscheiden von Storch an der bisherigen Strategie festhalten. Die Personalie bedeute keine Kursänderung. „Selbstverständlich stehen wir auch weiterhin zu unserem Engagement und unserer Wachstumsstrategie in Europa“, heißt es in dem Schreiben. „Wir haben einen Plan, der uns nach vorne bringen wird. Ich glaube auch weiterhin fest an die Zukunft der Warenhäuser.“

Kaufhof-Chef beruhigt Mitarbeiter

Dennoch löste die Trennung von Storch erheblich Unruhe unter den Mitarbeitern in Deutschland aus. Darauf reagierte der scheidende Kaufhof-Chef Wolfgang Link mit einem Schreiben an die hiesigen Beschäftigten.  Er versicherte, die  Personalie werde keine Auswirkungen auf Kaufhof haben. „HBC ist und bleibt ein starker Partner an unserer Seite und steht weiterhin fest zu seinem Engagement in Deutschland, Belgien und den Niederlanden“, betonte er. Der als Link-Nachfolger vorgesehene Roland Neuwald  sollte eigentlich am vergangenen Mittwoch vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandschef bestellt werden. Doch die Gewerkschaftsseite sperrte sich gegen ihn. 

HBC hatte Kaufhof im Herbst 2015 vom Handelskonzern Metro erworben und große Pläne gehabt. Doch diese Rechnung ging bislang nicht auf. So brachte das vergangene Weihnachtsgeschäft anders als erhofft keinen Höhenflug, sondern sorgte vielmehr mit einem Umsatzminus von zwei Prozent für einen Tiefschlag. Das Unternehmen strebt an, mit der Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung schließen, wofür die Mitarbeiter allerdings deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssten,  bei gleichzeitig steigender Arbeitszeit. Dadurch will das Unternehmen  jährlich bis zu 100 Millionen Euro an Personalkosten sparen.

Die Gewerkschaft  fordert allerdings zunächst ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Warenhauskette. Sie wirft dem Management vor, keine erkennbare Strategie zu haben. Außerdem beklagt sie eine verfehlte Rabattpolitik. Zudem will Verdi über die Mieterhöhungen für die Warenhäuser sprechen, die HBC seiner deutschen Tochter aufgebürdet hat. Für Unruhe sorgte im Sommer die Nachricht, dass der Warenkreditversicherer Euler Hermes seine Garantien für Lieferungen an die Warenhauskette kürzen will. Das gilt in der Branche als Signal dafür, dass die Warenhersteller mit Ausfällen rechnen.