Miguel Müllenbach.
Foto: Falk Heller, Imago Stock 

BerlinEs mutet schon ziemlich chaotisch an, was in den vergangenen Wochen und Monaten an der Spitze der Essener Warenhaus-Gruppe Galeria Karstadt Kaufhof geschah: Keine drei Wochen nach Inkrafttreten des Shutdowns war das Unternehmen Anfang April in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet.  Wenig später prophezeite der Warenhaus-Betreiber für 2020 einen Verlust von wenigstens einer Milliarde Euro. Dann warf in der ersten Juni-Woche  Konzernchef Stephan Fanderl nach sechs Jahren überraschend das Handtuch, und es wurde bekannt, dass dieser wegen eines Bandscheibenvorfalls seit Monaten nicht mehr in die Geschäfte eingebunden war. Tatsächlich war Fanderl seit Jahresbeginn nicht mehr an Bord. Vorige Woche wurde dann die Schließung von 62 Filialen angekündigt. Nun ist zumindest ein neuen Chef in Aussicht.

Miguel Müllenbach, im internen Führungskräftekreis als „krisenbewährt“ anerkannt, soll den Chefsessel bei Galeria Karstadt Kaufhof übernehmen. Ein Mann, der allerdings nicht gerade als der personifizierte Neuanfang des Handelshauses gelten kann. Der 44-Jährige ist Finanz- und Personalchef des Unternehmens und führt seit Fanderls Ausfall die Geschäfte kommissarisch. Bei Karstadt ist Müllenbach seit 15 Jahren.

Sein Berufsleben begann er mit einer Bankkaufmannslehre bei der Deutschen Bank, die er mit Bestnote abschloss. Ein BWL-Studium an der Uni Köln folgte, wobei er zwischen den Vorlesungen für eine Unternehmensberatung arbeitete. Danach war Müllenbach für den Otto-Versand und den Brillen-Bauer Fielmann tätig. Mit 30 Jahren ging er zu Karstadt, verantwortete bald etwa die Finanzdienstleistungen und Lieferketten. Seit dem Zusammenschluss der beiden Warenhausunternehmen Karstadt und Galeria Kaufhof im Jahr 2018 ist Miguel Müllenbach Finanzvorstand der Warenhaus-Gruppe und zugleich Personalchef.

In Arbeitnehmerkreisen ist man wenig begeistert von der Personalie. Einem, der bereits die Unternehmensplanung bei Karstadt leitete und maßgeblich am gerade verkündeten Sanierungsprogramm samt Schließungen beteiligt war, traut man wenig kreative Erneuerung zu. Zudem gibt es alte Wunden. Vertreter der Gewerkschaft Verdi hatten sich bereits Ende 2018 nach der Karstadt-Kaufhof-Fusion dagegen gewehrt, dass die Karstadt-Manager Fanderl und Müllenbach Chefposten bei Kaufhof bekommen. Und so manch ein Gewerkschafter hat auch nicht vergessen, dass Müllenbach während des Tarifstreits im vorigen Sommer gegen Streiks gewettert hatte und mit Regressforderungen drohte. Nicht die besten Bedingungen für einen Neustart.