Das Büro von King Digital am Gendarmenmarkt sieht selbst so aus, als sei es der Cartoon-Welt einer der Spiele-Apps entsprungen. Die wöchentlichen Firmenbesprechungen finden im „Deep Forest“ statt, einem Raum mit einem überdimensionalen Dschungel im Comic-Stil an der Wand, grüner Deckenverkleidung und hellgrünen Sofas. Eine fünf Meter hohe Röhrenrutsche verbindet die beide Etagen des 1 400 Quadratmeter großen Büros.

Gabriel Hacker hat die Rutsche installieren lassen. Der 37-Jährige ist Chef von King in Berlin. Seit Januar vergangenen Jahres baut er die Dependance des Milliardenkonzerns in der Hauptstadt auf. „Candy Crush“ heißt dessen größter Hit, allein im ersten Jahr wurde es 250 Millionen Mal heruntergeladen. Doch King braucht den nächsten Hit – und der soll aus Berlin kommen.

Gleich zwei neue King-Spiele werden nun in Berlin entwickelt. Die Herausforderung sei es, die richtige Balance zwischen Altem und Neuen zu finden, sagt Hacker. Es reiche nicht aus, einen früheren Hit nachzuahmen. Gleichzeitig müsse die Bedienung so einfach sein, dass alle sie sofort verstehen.

40 Mitarbeiter sind am Gendarmenmarkt damit beschäftigt, diese Balance zu finden. Bald werden es mehr sein. „14 Stellen sind derzeit offen, und sobald wir die besetzt haben, suchen wir 20 neue Mitarbeiter“, sagt Hacker. Auf 80 bis 90 Personen soll das Studio anwachsen. „Bitte schreiben Sie, dass wir C++-Programmierer suchen.“

King ist nicht die einzige internationale Spieleschmiede, die derzeit in Berlin ihr Personal aufbaut. Der US-Konzern Kabam („Fast & Furious: Legacy“) hat vor einem Jahr seine Europa-Zentrale im Prenzlauer Berg eröffnet und will den Standort auf 150 Mitarbeiter ausbauen. Mit Shanda Game hat auch einer der größten chinesischen Spieleentwickler seine Europazentrale in Berlin angesiedelt.

Bereits bevor die internationalen Spielekonzerne Berlin entdeckten, ist die Branche in der Hauptstadt rasant gewachsen. Nach Berechnungen der Marktforscher House of Research ist der Umsatz der Branche in Berlin zwischen 2004 und 2012 um 122 Prozent auf 964 Millionen Euro gestiegen. Damit habe Berlin in den letzten zehn Jahren das bundesweit stärkste Wachstum der Spieleindustrie zu verzeichnen. Mit 1 433 Unternehmen sind inzwischen so viele Firmen wie in keiner anderen Region in Deutschland auf dem Markt. Mehr als 10 000 Menschen arbeiten nach Angaben der Marktforscher inzwischen in dem Bereich, die überwältigende Mehrheit in Festanstellung.

Wichtig für diese Entwicklung war die Internationalität der Hauptstadt. Knapp 300 Menschen mit 40 verschiedenen Nationalitäten arbeiten allein im Büro von Wooga in der Backfabrik in Prenzlauer Berg. So kann die Berliner Spieleschmiede, die den Mega-Hit Jelly Splash entwickelt hat, von der Hauptstadt aus die Spiele problemlos an die unterschiedlichen Kulturen der Zielmärkte anpassen.

Rund 300 Mitarbeiter aus 45 Ländern arbeiten auch bei der Hitfox-Gruppe, einer anderen Berliner Digitalfirma. Die Berliner gründen wie am Fließband neue Start-ups, vor allem für die Spielebranche. So haben sie eines der größten Vermarktungsnetzwerke für den Spielebereich aufgebaut.

„Qualitätsspieler“, nennt Hitfox-Sprecher Oliver Kanders die Nutzer, die sie dabei besonders im Blick haben: Der kleine Prozentsatz, der sich Zusatzgegenstände kauft und besonders lange dabei bleibt. Die Hitfox-Leute versuchen, diesen Spielertyp zu identifizieren und den Leuten dann die passgenaue Werbung für ein weiteres Spiel zu präsentieren. Vielleicht bald eines, das am Gendarmenmarkt in einem Büro mit Röhrenrutsche produziert wurde. Auch King gehört zu den Kunden der Hitfox-Gruppe.