Seit 13 Jahren wartet Stephan Pütz auf eine Entscheidung. Am Dienstag soll er endlich erfahren, ob sein Haus dem Braunkohletagebau Garzweiler II weichen muss. Der 50-Jährige hat beim Bundesverfassungsgericht sein Grundrecht auf Heimat eingeklagt.

Pütz ist einer der wenigen, der noch in Erkelenz-Immerath wohnt. Das Dorf liegt in Nordrhein-Westfalen, etwa 130 Kilometer südlich von Köln. Es ist eines von zwölf Dörfern, das für Garzweiler II umgesiedelt werden muss. Der Kraftwerksbetreiber RWE will hier bis 2045 auf einer Fläche von 48 Quadratkilometern rund 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle abbauen. Bis dahin müssen die insgesamt 7600 Einwohner ihre Häuser verlassen. Von ihnen ist Stephan Pütz der einzige, der gegen die Enteignung geklagt hat. Sollten die Karlsruher Richter den Tagebau stoppen, will der 50-Jährige in seinem Heimatdorf wohnen bleiben.

Doch Stephan Pütz steht trotzdem nicht alleine da. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) klagt gegen Garzweiler. Er lässt prüfen, ob die Erweiterung des Kohletagebaus dem Gemeinwohl dient und der BUND aus diesem Grund enteignet werden durfte. Die betroffene Obstwiese ist aber mittlerweile schon abgebaggert.

Nach dem Urteil sei noch lange nicht Schluss mit dem Thema Garzweiler, sagte Hans-Heiner Gotzen, der Erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz. „Die Landesregierung muss im Frühjahr 2014 Farbe bekennen und im Zuge der nächsten Umsiedlung sagen, ob sie den Tagebau für energiepolitisch notwendig hält.“ Der Tagebau war seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2006 umstritten, unter anderem auch wegen des hohen Ausstoßes an Kohlenstoffdioxid.