Frankfurt - „Das war ein schmutziger Trick“, schimpft Andreas Finke. „Man hat uns die Idee geraubt.“ Der Sprecher des Technologieunternehmens Dyson ist noch immer empört, auch wenn die Geschichte schon ein paar Monate zurückliegt.

Im vergangen Frühjahr erlebt ein Mitarbeiter von Dyson eine böse Überraschung. Auf einem Internetportal entdeckt er zufällig einen Tischventilator, der genau so aussieht wie das Produkt, das seine Firma vor Monaten erst auf den Markt gebracht hat. Die Farbe ist dieselbe, Form und Design sind fast identisch, sogar die Präsentation ist ähnlich. Nur einen augenfälligen Unterschied gibt es: den Preis. Das Original von Dyson kostet im Handel 299 Euro, die billige Kopie schlappe 88 Euro.

Dass Waren auf Teufel komm’ raus kopiert werden, daran hat sich die Industrie längst gewöhnt. Autofelgen und Spielzeug, Zahnbürsten und Taschen – gefälscht wird nahezu alles. Allein im Jahr 2010 haben Zollbeamte an den EU-Außengrenzen 103 Millionen Plagiate beschlagnahmt; der Wert dieser kopierten Waren wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Bei Dyson ist man über die Schnelligkeit der Fälscher schockiert. „Das war neu“, sagt Finke. Anfang 2010 meldet das Unternehmen das Patent für den Ventilator an. Das Besondere: Der Windmacher kommt ohne Rotorblätter aus und ist damit auch für Kinderhände sicher. Den „Air Multiplier“ stellt die Firma auf der Funkausstellung in Berlin vor. Doch auf der Messe sind nicht nur Einkäufer, sondern auch Ideendiebe aus aller Welt. Und die handeln schnell: Nur wenige Monate nach Markteinführung ist die Kopie des Dyson-Geräts in den Hallen einer österreichischen Baumarktkette zu kaufen. Und über einen Importeur kommt der Nachbau auch ins Internet.

Dyson lässt die Ware beschlagnahmen. 800 Kopien werden auf dem Werksgelände des Betriebs von einem Bagger zerstört. Die Spur der Täter führt nach China. Dort läuft zwar ein Verfahren. Doch wie das ausgeht, ist ungewiss. In vielen Fällen drohen den Produktpiraten nur Geldstrafen. Dieses Risiko schreckt die Kriminellen kaum. Denn wer kopiert, spart Zeit ebenso wie Kapital für Forschung und Entwicklung. Drei Jahre tüftelte man bei Dyson an dem Ventilator. Die Ingenieure investierten Herzblut, die Firma viel Geld. Neun Millionen Euro steckte sie in die neue Technik.

Gefahr für den Verbraucher

Der Schaden durch Produktpiraten ist immens. Experten schätzen ihn allein für Deutschland auf 25 Milliarden Euro, zudem gehen jährlich etwa 70.000 Arbeitsplätze in der deutschen Wirtschaft durch Ideen-Klau verloren. Doch auch für den Verbraucher sind billige Kopien gefährlich. Schlecht gefertigte Autoteile etwa können tödliche Folgen haben.

Nicht nur Politik und Justiz sind gefordert. Auch der Verbraucher ist in der Pflicht. Schnäppchenjäger fördern den Erfolg von Plagiaten, sagt Rido Busse, Initiator des am Freitag verliehenen Schmähpreises Plagiarius. Viele Verbraucher wollten Markenartikel, seien aber nicht bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen.

Mit dem Plagiarius will Busse Bewusstsein beim Konsumenten wecken – und dreiste Fälscher brandmarken. Auch die Diebe im Fall Dyson haben den Schmähpreis bekommen. „Das ist ein besonderer Tag für uns“, sagt Finke. Kleine Rache für einen schmutzigen Trick.