Gefangen in der Teilzeitfalle: Frauen werden im Berufsalltag immer noch diskriminiert.

Berlin - Auf den ersten Blick künden die Zahlen von einem erfolgreichen Aufholprozess.  Der Anteil der Frauen im Erwerbsalter zwischen 15 und 65 Jahren, die einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 47 Prozent im Jahr 1960 auf mittlerweile fast 75 Prozent gestiegen.

Im Jahr der Wiedervereinigung 1991 gingen gut 15,5 Millionen Frauen in Deutschland einer Berufstätigkeit nach, 2016 waren es 19,32 Millionen. Das entspricht einem Plus von 24 Prozent. Damit ist mittlerweile fast die Hälfte aller Beschäftigten weiblich. Gleichberechtigung gelungen - was will man mehr?

Benachteiligungen im Berufsalltag

Eine ganz Menge. 63 Prozent des Personals im Einzelhandel und in anderen kundennahen Dienstleistungsberufen sind Frauen. Nach Berechnungen der grünen Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer hat das auf Frauen entfallende Arbeitsvolumen seit 1991 nur um 7,2 Prozent zugenommen.

Ein Viertel mehr Frauen im Job, aber nur ein Vierzehntel mehr Arbeit: das macht klar, wie hoch der Anteil der Teilzeit- und Minijobs ist. Mittlerweile arbeiten 58 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland in Teilzeit. Einen solch hohen Anteil erreicht kein anderes Land in Europa.

Dabei sind Frauen mittlerweile deutlich besser ausgebildet als Männer. Nach aktuellen Daten des  Statistischen Bundesamts verfügten im vergangenen Jahr  47 Prozent der berufstätigen Frauen über eine akademische Ausbildung oder einen hochqualifizierten Berufsabschluss im technischen Bereich. Der Anteil der Männer lag bei nur 42 Prozent.

Im wirklichen Berufsleben schlägt sich der Wissensvorsprung der Frauen allerdings nicht nieder, im Gegenteil:  63 Prozent des Personals im Einzelhandel und in anderen kundennahen Dienstleistungsberufen sind Frauen. Das gleiche trifft auf 65 Prozent  der Bürokräfte zu.

Frauen selten in leitenden Funktionen

Der Anteil der Frauen, die große Maschinen und Anlagen bedienen, liegt hingegen nur bei 14 Prozent und ist gegenüber 1991 (18,3 Prozent) sogar gesunken. Auch leitende Funktionen üben Frauen deutlich  seltener aus als Männer: Drei Prozent der Frauen, aber sechs Prozent der Männer nehmen eine Führungsposition ein.

Diese Unterschiede schlagen sich im auch in der Höhe der Einkommen nieder. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag 2016 bei 16,26 Euro, der der Männer bei 20,71 Euro. Selbst bei gleichen beruflichen Qualifikationen verdienten Frauen deutlich weniger, bei Führungskräften waren es 24 Prozent.

Männer verdienen deutlich mehr

In einigen Teilbereichen wie wissenschaftliche und technische Dienstleistungen oder Kultur und Unterhaltung  lag der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen sogar bei rund 30 Prozent.

Ein wesentlicher Grund für die Schlechterstellung der Frauen ist nach Pothmers Ansicht die „Teilzeitfalle“:  Kindererziehung und Angehörigenpflege werden ganz überwiegend von Frauen erledigt,  was zulasten des beruflichen Fortkommens geht.

Schlechtere Löhne, schlechtere Renten

Zumal es  vielen Frauen nicht gelingt, von der Teil- zurück in Vollzeit zu wechseln. Immerhin jede fünfte Frau in Teilzeit würde gern länger arbeiten. „Die Bundesregierung hat das versprochene Rückkehrrecht auf Vollzeit nicht umgesetzt“, kritisiert Pothmer.

Dauerhafte Teilzeitarbeit bedinge schlechtere Löhne, schlechtere Karrierechancen und  schlechtere Renten. Zudem werde der viel beschworene Fachkraftmangel ohne Not verschärft: „Noch keine Frauengenration ist so gut ausgebildet und hochmotiviert wie die heutige.“