Wenn man für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommt als andere Mitarbeiter, ist das ein Fall von Diskriminierung. Und die ist im Job gar nicht selten: Frauen verdienen weniger als Männer, Menschen mit Migrationshintergrund oder anderer Hautfarbe erhalten weniger Lohn als Weiße, und Schwule oder Transgender-Menschen stecken in punkto Gehalt hinter Heterosexuellen zurück.

Aber es gibt Ausnahmen, zeigt eine aktuelle gemeinsame Studie der Universitäten von Melbourne und San Diego: Lesben haben demnach mehr auf dem Gehaltszettel als ihre heterosexuellen Kolleginnen – ganze 33 Prozent mehr Lohn erhalten sie. Schwule dagegen bekommen 20 Prozent weniger Lohn als ihre Hetero-Kollegen – je offener sie ihre Sexualität lebten, desto mehr wurden sie benachteiligt. Für die Studie befragt wurden 10.000 Menschen.

Warum gibt es diesen Unterscheid bei weiblichen Arbeitnehmern? – Zum einen arbeiten lesbische Frauen im Durchschnitt 20 Prozent länger als heterosexuelle Frauen, erklärt Professor Mark Wooden, Co-Autor der Studie. Das liege daran, dass sie seltener wegen Kindern in Teilzeit arbeiten oder frei nehmen müssten.

Zum anderen habe sich gezeigt, dass Lesben besser darin sind, sich gegen Widerstände zu behaupten, sagte Nick Drydakis von der University of Anglia Ruskin, der ebenfalls auf dem Gebiet forscht. Ein möglicher Grund: Lesben sei schon früh klar, dass eine traditionelle Familie mit einem männlichen Hauptverdiener für sie nicht in Frage komme. Also investierten sie in ihre eigenen Kräfte, vermutet Drydakis: Sie studierten länger als heterosexuelle Frauen und fällten öfter Entscheidungen, die ihrer Karriere nützten.

Jedoch hat der Gehaltsvorsprung homosexueller Frauen auch seine Schattenseiten, denn andere Gruppen werden dem gegenüber benachteiligt. So verdienen etwa Mütter weniger als kinderlose Frauen – und Lesben haben weniger Kinder als verheiratete heterosexuelle Frauen. „Arbeitgeber könnten deswegen ein Interesse daran haben, Lesben zu befördern. Denn bei ihnen ist es unwahrscheinlicher, dass sie ihre Karriere unterbrechen“, sagte Drydakis.

Außerdem würden Chefs, Kollegen und Kunden häufig Charakterzüge bevorzugen, die man üblicherweise Männern zuschreibt, so der Wissenschaftler. Dazu zählen zum Beispiel Ehrgeiz, Autorität und ein Sinn fürs Praktische. Für Lesben könnte es also vorteilhaft sein, wenn sie solche Züge deutlicher zeigen als ihre heterosexuellen Kolleginnen oder als schwule Kollegen. Außerdem deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Arbeitsmarkt besonders solche Männer oder Frauen bevorzugt, die eher männlich wirken.

Auch die Partnerwahl hat Einfluss auf die Karriere

Zudem sollten sich Arbeitnehmer offenbar genau überlegen, ob und wen sie heiraten. Denn Lesben, die früher einmal heterosexuelle Ehen geführt haben, weisen ein geringeres Einkommensplus auf. Der Grund dafür laut einer früheren Studie: „Die übliche Arbeitsteilung im Haushalt zielt darauf ab, dass öfter der Mann mit seiner Karriere vorankommt“, sagte Jeffrey Waddoups von der University of Nevada in Las Vegas, der die Studie geleitet hat. Lesbische Frauen, die nie verheiratet waren, verdienten hingegen etwa 20 Prozent mehr.

Trotzdem könnten sich heterosexuelle Frauen und schwule Männer einiges von lesbischen Kolleginnen abschauen: Nämlich selbstsicheres Auftreten und eine gute, lange Ausbildung. (gs)