Bei Überweisungen in die USA fallen nicht nur Wechselkursgebühren an.
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BerlinGeld ins Ausland zu überweisen, ist teuer. Dabei wird das für einige womöglich zurzeit noch wichtiger: Wenn die Familie im Ausland, zu der man gerade nicht reisen kann, finanzielle Unterstützung benötigt oder noch ausstehende Rechnungen nach einem abrupten Aufbrechen aus dem Reiseland beglichen werden müssen.

Doch auch wenn der Zahlungsverkehr weiter frei ist, leicht zu durchschauen ist er beileibe nicht. Für ausländische Transaktionen fallen Gebühren der verschiedensten Art an – neben Wechselkursgebühren warten Überweisungsgebühren oder sogenannte Swift-Gebühren. Welche Posten im Einzelnen erhoben werden und in welcher Höhe, unterscheidet sich von Bank zu Bank. Seit ein paar Jahren drängen auch immer mehr Fintechs auf den Markt, die mit günstigeren Überweisungen werben, aber auch hier sind die Gebühren nicht einheitlich.  

Eine neue EU-Richtlinie, die zum 19. April in Kraft getreten ist, soll zwar zumindest mehr Transparenz bei den Gebühren schaffen. So müssen von nun an bei Online-Überweisungen in Fremdwährungen die Kosten wenigstens vorab aufgeführt werden. Die Regelung bezieht sich aber zum einen nicht auf Überweisungen, die in einer Filiale durchgeführt werden und kann zum anderen nur Transfers innerhalb der EU einbeziehen. Überweisungen ins außereuropäische Ausland münden oftmals weiter im Gebührendschungel.

Für eine Überweisung von 1 000 Euro in die USA verlangt beispielsweise die Sparda-Bank laut der Vergleichswebsite geldtransfer.org 30 Euro, die Postbank 11,50 Euro, der auf Auslandsüberweisungen spezialisierte Anbieter Transferwise 5,14 Euro und Currencyfair, ein weiterer Anbieter 3,70 Euro. Solch große Unterschiede sind nicht selten.

„Es muss nicht in jedem Einzelfall so sein, dass die Hausbank teurer ist als andere Anbieter“, sagt Josefine Lietzau vom Verbraucherratgeber Finanztip. „Allerdings haben sich Anbieter wie Transferwise oder Currencyfair auf das Überweisen und Versenden von Geld in unterschiedlichen Währungen spezialisiert und verschiedene Wege entwickelt, um tatsächlich gegen die Banken konkurrieren zu können.“

So tätigt Transferwise in Wahrheit zum Beispiel keine Überweisung über Ländergrenzen hinweg. „Wir haben in allen Ländern Konten mit lokalen Währungen“, erklärt Thomas Adamski, Sprecher von Transferwise. „Wenn ein Kunde beispielsweise Geld von Berlin nach London überweisen will, tut er das von seinem deutschem Konto auf unser Transferwisekonto in Deutschland. Gleichzeitig überweisen wir von unserem Konto in Großbritannien den gewünschten Betrag an den Empfänger in London“, so Adamski. Auf diese Weise könnten Gebühren gespart werden.  
Darüber hinaus sind bei allen Anbietern die Gebühren aber auch von den Wechselkursen abhängig oder davon, ob sie die gewünschte Währung vorrätig haben. Nicht alle Anbieter tauschen auch in jede erdenkliche Währung. Wird das Zielland und damit die Währung exotischer, wird auch die Auswahl und damit der Preisvergleich kleiner. 

Weitere Unterschiede kann es bei der Überweisungsdauer oder -art geben. Benötigt man eine Sofortüberweisung, verlangen Anbieter in der Regel einen Aufschlag, ansonsten schwankt die Zeitangabe meist von einem Tag auf bis zu vier Tagen. Die Postbank oder die Deutsche Bank geben die Dauer lediglich mit „baldmöglichst“ an. Bei der Postbank ist eine Überweisung per Telefonbanking zudem teurer als per Internetbanking.

Gebühren von Auslandsüberweisungen

Wechselkurs: Wie viel eine Währung wert ist, schwankt. Und somit auch, wie viel sie kostet. Banken nutzen zudem unterschiedliche Kurse.

Wechsel-Kosten: Zusätzlich erheben Banken in der Regel eine Gebühr für das Umwechseln, mit der sie verdienen.

Überweisungsgebühren: Wie auch bei Inlandsüberweisungen können genauso bei Auslandsüberweisungen Gebühren entstehen.

Swift-Gebühren: Kosten, die Banken für technische Prozesse begleichen müssen. Einige geben sie an ihre Kunden weiter.

„Für Verbraucher kann es sich sicherlich lohnen, die Gebühren ihrer Hausbank mit ein, zwei anderen Anbietern zu vergleichen“, sagt Lietzau. Gerade bei den neueren Fintechs funktioniere das zumeist unkompliziert über Rechner auf den jeweiligen Webseiten. In einigen Fällen kann es aber auch sein, dass man sich erst registrieren muss. „Dann wird solch ein Vergleich natürlich ungleich aufwendiger“, so Lietzau.
Einen unabhängigen Vergleichsrechner bietet aber beispielsweise auch die Website geldtransfair.de vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Länderauswahl ist allerdings eingegrenzt, so richtet sich die Seite speziell an Migranten, die Geld in ihr Heimatland senden wollen. Afghanistan und Pakistan ist dabei, die USA oder Großbritannien nicht.

Die Wahl des Anbieters können Verbraucher aber auch danach eingrenzen, ob der Empfänger das Geld in bar braucht oder eine Überweisung auf ein Konto ausreicht. Eine Barauszahlung bieten zum Beispiel Western Union oder Azimo. Bei den meisten anderen Anbietern ist eine Kontoüberweisung Standard. Wobei es auch hier sein kann, dass der Empfänger sich mit einem Konto beim Anbieter registrieren muss. Das ist zum Beispiel bei Paypal der Fall, wenn man den Dienst ohne Zusatzoption nutzt. Der Konzern, der sich eigentlich auf nationale Geldtransfers spezialisiert hat, bietet seit einem halben Jahr auch seinen Kunden in Deutschland Auslandsüberweisungen über das zu Paypal gehörendem Portal Xoom an. Profitieren kann der Anbieter von einer breiten Nutzerschaft, die im Falle einer Auslandsüberweisung womöglich lieber das Portal wählt, bei der sie bereits registriert ist als ein günstigeres, aber unbekannteres Fintech. „Auch Banken genießen bei vielen Menschen einen Vertrauensbonus“, so Lietzau. Da schrecken allzu oft höhere Gebühren dann doch nicht ab.