Überall ist der Appell zu lesen: Machen Sie die Steuererklärung, auch freiwillig, dann erstattet das Finanzamt Geld zurück. Durchschnittlich etwa 900 Euro beträgt die Rückzahlung, schätzt das Statistische Bundesamt, im besten Fall ist sie noch höher. Doch erhält die maximale Rückzahlung nur, wer Fehler vermeidet. Und dazu zählt nicht nur, die Frist unbedingt einzuhalten: Bis zum 31. Mai muss die Erklärung beim Finanzamt sein, nur wer sie freiwillig ausfüllt oder sich Hilfe holt, hat länger Zeit.

Viele Fehler können sich beim Ausfüllen der Erklärung einschleichen, durch die sich die Höhe der Rückerstattung mindert. Werden Posten, die sich steuererleichternd auswirken würden vergessen, ist die Sachlage klar: Dann fällt die Rückzahlung geringer aus. Doch ist gleich zu Beginn zu sagen: Wer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, sollte den Aufwand trotzdem auf sich nehmen. Denn er kann in der Regel von einer Rückzahlung profitieren; und sollte der Bescheid wider Erwarten doch auf Nachzahlung lauten, muss – wer die Steuerklärung freiwillig abgeben hat – diese nicht leisten – es genügt Widerspruch gegen die Forderung. Ein Überblick über häufige Fehler und die Möglichkeit des Widerspruchs.

Einträge an der falschen Stelle

Ein häufiger Verwechsler tritt beim Thema Weiterbildung auf. Sind Ausbildungskosten – wird noch kein Geld verdient – in der Regel unter dem Punkt Sonderausgaben anzugeben, stehen Kosten zu einer beruflichen Weiterbildung hier an der falschen Stelle. Letztere können nur als Werbungskosten abgerechnet werden.

Wird die Eintragung dennoch an der falschen Stelle vorgenommen, streicht das Finanzamt die Angabe als falsch, trägt sie aber nicht automatisch an die dafür vorgesehene Stelle um – die Rückzahlung, die in diesem Punkt anstehen würde, bleibt damit aus. Um solche Fehler zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, sich Hilfe zu holen – entweder bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder beim Steuerberater. Zwar fallen hierfür wieder Kosten an, das Fehlerpotenzial wird aber vermindert.

Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater werden geltend gemacht 

Sind nicht viele Angaben zu machen, reicht auch schon ein elektronisches Steuerprogramm mit den dort aufgeführten Hilfestellungen. Ausgenommen der Steuersoftware Elster vom Finanzamt (ohne große Erklärungen) kosten diese bei der Anschaffung zwischen 15 und 40 Euro. Der Lohnsteuerhilfeverein verlangt einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der durchschnittlich bei 150 Euro liegt, der genaue Beitrag richtet sich aber wie auch beim Steuerberater nach dem Einkommen.

Dafür übernimmt der Verein das Ausfüllen der Formulare, berät und prüft letztlich den Bescheid. Soll Einspruch eingelegt werden, ist dies in der Regel auch im Mitgliedsbeitrag enthalten. Die gute Nachricht: Die Kosten für den Lohnsteuerhilfeverein oder den Steuerberater dürfen im nächsten Jahr bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Wichtige Angaben vergessen

Es gibt viele Steuerregelungen, die nur auf kleinere Personengruppen zutreffen. Einige Kosten aus der Jahresverbrauchsabrechnung können hingegen alle Mieter und Eigentümer geltend machen. Dennoch wird dieser Punkt laut Lohnsteuerhilfeverein häufig ausgelassen – und somit Geld verschenkt. Zu den Posten aus der Nebenkostenabrechnung, die als Ausgaben unter dem Punkt „Haushaltsnahe Dienstleistungen“ angegeben werden können, zählen etwa Kosten für die Treppenhausreinigung, den Winterdienst oder den Hausmeister.

Ein weiterer Fall: Millionen Bürger sparen über einen Riester-Vertrag etwas für den Ruhestand an, was mit Zulagen und Steuervorteilen vom Staat gefördert wird. Dafür gibt es in der Steuererklärung die extra dafür vorgesehene Anlage AV. Doch selbst wenn alle Angaben zur Riester-Rente eingetragen worden sind, hilft das nichts, wenn nicht zuvor eine Einwilligung zur Übermittlung der Einkommensteuerdaten beim Riester-Renten-Versicherer eingereicht worden ist. Ist dieses Formular einmal ausgefüllt, erkennt das Finanzamt die Beiträge aus der Riester-Rente für alle künftigen Jahre als absetzbar an, vorher nicht.

Bei Nachzahlung Widerspruch einlegen

Viele Arbeitnehmer sind nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Wer dem Finanzamt die Formulare trotzdem zukommen lässt, dem kann die Erklärung auch nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Zwar ist es theoretisch möglich, dass die Behörde auch von diesen Personen eine Nachzahlung fordert, sollte dies der Fall sein, kann die freiwillig abgegebene Steuererklärung aber wieder zurückgenommen werden.

Einen Monat lang hat der Steuerzahler Zeit, dem Bescheid zu widersprechen. Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem der Steuerbescheid zugestellt wurde. Beantragt werden sollte in diesem Fall eine „Aussetzung der Vollziehung“. Das verhindert, dass das Geld zunächst überwiesen werden muss.

Wer sich diesen Dokumentenwechsel ersparen will, sollte zuvor abschätzen, ob eine Steuerrückerstattung zu erwarten ist. Sinnvoll ist die freiwillige Steuererklärung zum Beispiel in jedem Fall für Arbeitnehmer, die längere Fahrtwege zurücklegen müssen oder andere Aufwendungen für den Job hatten. Übersteigen die Aufwendungen den Pauschbetrag von 1000 Euro, wird jeder zusätzliche Euro dem Steuerzahler zugute gerechnet. Programme und Apps zur Erstellung der Steuererklärung geben außerdem nach Eingabe der Daten eine Schätzung ab, wie hoch die Rückzahlung in etwa ausfallen wird.