Geldanlage: Frauen sind die besseren Anleger

Es ist wie bei den Spitzenköchen: Die bekannten erfolgreichen Anleger sind alle Männer – ob Warren Buffett, George Soros, John Templeton, der verstorbene Börsen-Guru André Kostolany, oder, eine Nummer kleiner, der Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Doch im Alltag sind es die Frauen, die sich als die besseren Geldanleger erweisen. Das belegen zahlreiche Studien: Frauen gehen geringe Risiken ein, streuen ihr Geld breiter über verschiedene Anlageformen und schichten ihr Vermögen nicht ständig um.

„Ein Grund dafür, dass sich Frauen bei der Geldanlage viel vernünftiger verhalten als Männer ist, dass sie im Schnitt einfach deutlich weniger Geld zur Verfügung haben. Deshalb können sie es sich gar nicht leisten, hier große Fehler zu machen“, sagt Astrid Hastreiter, Gründerin und Chefin von Frauenvermögen, einem unabhängigen Finanzdienstleister, der – nomen est omen – auf die weibliche Kundschaft spezialisiert ist.

Im Ergebnis holen Frauen durch ihr vernünftigeres Verhalten im Schnitt auch mehr Rendite heraus als Männer. Das gilt vor allem in Krisenzeiten. So erzielten Frauen im Krisenjahr 2008 einer Studie der DAB Bank zufolge sechs Prozentpunkte mehr Rendite als Männer. 2007, als es an der Börse noch gut lief, lagen die Frauen demnach immerhin um vier Prozentpunkte besser. Und auch in den Krisenjahren 2000 und 2001 schnitten die Frauen bei der Geldanlage besser ab, als die Männer: So lag ihr Anlageerfolg im Jahr 2000 um rund drei Prozentpunkte höher als bei männlichen Anlegern, im Jahr 2001 waren es sogar mehr als neun Prozentpunkte.

Leicht vorn lagen die Männer dagegen in den Jahren 2009 und 2010 als die Börse sich kräftig von den in der Finanzkrise erlittenen Kursverlusten erholte. Doch die höhere Risikofreude der Männer wirkte sich nur relativ bescheiden auf die Renditen aus: 2009 lagen sie gerade mal 0,8 Prozentpunkte vor den Frauen, 2010 erzielten die Männer immerhin eine um drei Prozentpunkte höhere Rendite als Frauen.

Hemmschwelle überwinden

Eine Erklärung, warum die risikofreudigeren Männer selbst in guten Börsenjahren die Frauen nicht oder nur unwesentlich schlagen, liegt darin, dass die Männer gerade bei steigenden Kursen oft hektisch von einem Papier ins andere wechseln, statt an gut laufenden Aktien einfach festzuhalten. Die vielen Transaktionen bringen ihnen kaum Zusatzerträge, kosten sie dafür aber hohe Gebühren. Und die drücken die Rendite: „Hin- und Her macht Taschen leer“, lautet nicht umsonst eine der wichtigsten Börsenweisheiten. Will heißen: Wer häufig kauft und verkauft, der macht nur die Bank reich und wird dabei selbst arm. Das scheinen Frauen viel eher begriffen zu haben als Männer.

„Frauen informieren sich sehr genau und wenn sie sich erst einmal für ein Anlageprodukt entschieden haben, halten sie in der Regel auch länger daran fest“, bestätigt Frauenvermögen-Chefin Hastreiter. Das Problem sei nur, dass viele Frauen beim Thema Geldanlage erst eine Hemmschwelle überwinden müssten: „Traditionell war es Sache des Mannes sich um die Finanzen der Familie zu kümmern, deshalb haben sich Frauen lange Zeit nicht dafür interessiert“, so Hastreiter. Doch das ändere sich mehr und mehr. „Wenn Frauen sich erst einmal entschieden haben, sich um ihre Anlagen zu kümmern, dann tun sie es beständig“, so die Vermögensverwalterin. Das merke sie auch an ihrem eigenen Geschäft: Seit der Gründung im Jahr 2004 wachse ihre Finanzberatung Frauenvermögen kontinuierlich. Heute berate sie 750 Kundinnen mit einem Gesamtvermögen von rund 19 Millionen Euro. „Fast alle neue Kundinnen kommen über Empfehlung“, sagt sie. In letzter Zeit würden sich auch zunehmend Männer für ihre Dienstleistung interessieren. „Die nehmen wir natürlich auch gerne“, so Hastreiter.

Spezielle Anlageprodukte für Frauen gebe es zwar nicht, so Hastreiter, doch Frauen hätten bestimmte Vorlieben: „Sie interessieren sich deutlich häufiger als Männer für ethisch korrekte und ökologische – also nachhaltige – Anlageformen. Und bei diesem Bedürfnis kommen wir ihnen natürlich so weit wie möglich entgegen.“ So zählen Mikrokredite zu den bevorzugten Produkten auf Hastreiters Empfehlungsliste – also Kleinstkredite für ökologische oder soziale Projekte. Anders als es scheine sei das Ausfallrisiko bei diesen Produkten für den Geldgeber äußerst gering. Auch eine Investition in europäisches Edelholz und eine Beteiligung an Solarparks zählen zu Hastreiters Favoriten. „Anders als Solaraktien sind Solarparks sichere Investments, an denen unsere Kundinnen bislang auch viel Freude hatten“, so die Anlageexpertin.

Die magere Rente aufbessern

Überhaupt spielt das Thema Sicherheit neben dem Thema Nachhaltigkeit für Hastreiters Kundinnen eine entscheidende Rolle. „Größere Verluste können sich die meisten Frauen gar nicht leisten, weil sie das Geld dringend für das Alter brauchen.“ Weil sie im Schnitt schlechter bezahlte Jobs hätten als Männer und auch etwa durch Kindererziehungszeiten im Laufe ihres Lebens weniger lang erwerbstätig seien, müssten Frauen nämlich mit einer deutlich geringeren staatlichen Rente rechnen.

Eines von Hastreiters Lieblingsprodukten sind sogenannte Wechselkoffer. Dabei handelt es sich um Transportbehälter, wie sie beispielsweise von DHL verwendet werden. Ein solcher Koffer kostet rund 10000 Euro und kann als Anlageobjekt erworben werden. „Er wird dann für eine feste Laufzeit vermietet. „Das bringt unseren Kundinnen rund 6,5 Prozent Rendite jährlich.“

In einer Beispielrechnung empfiehlt Hastreiter einer 50 Jahre alten Kundin mit einem Vermögen von 100 000 Euro folgende Aufteilung ihrer Anlagen: 20 000 Euro in Wechselkoffer, 15 000 Euro in Mikrokredite und weitere 15 000 Euro in Mischfonds aus Aktien und Anleihen. Ebenfalls 15 000 Euro sollte die Musterkundin der Expertin zufolge in reine Aktienfonds investieren, weitere 15 000 Euro sollte sie in Beteiligungen an europäischem Edelholz platzieren und die restlichen 10 000 Euro in Solarparks.