Früher galten für die Geldanlage nur zwei Kriterien: Rendite und Sicherheit. Mittlerweile spielt aber für immer mehr Bundesbürger ein drittes Kriterium eine Rolle – die Nachhaltigkeit. Sie legen besonderen Wert darauf, dass ihr Geld ökologisch ethisch und sozial sauber investiert wird.

Und so wächst der Markt für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland rasant. Allein im vergangenen Jahr hat er laut dem Forum für nachhaltige Geldanlagen (FNG) um neun Prozent auf knapp 80 Milliarden Euro zugenommen. Das hört sich nach viel an, ist aber gemessen am Gesamtvolumen des privaten Geldvermögens in Deutschland, das sich auf rund fünf Billionen Euro beläuft, noch immer nicht viel mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – genauer gesagt, nicht einmal zwei Prozent.

Eine deutlich größere Summe fließt allerdings in Geldanlagen, die zwar nicht im engeren Sinne als nachhaltig bezeichnet werden, die aber bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Und das tun sie laut FNG, wenn mindestens ein Ausschlusskriterium eingehalten wird wie zum Beispiel die Produktion oder der Handel von Waffen, Glücksspiel, Tabak, Pornografie, Alkohol, Kernkraft, Gentechnik oder Tierversuche. Solche Anlagen bezeichnet das FNG als „verantwortliche Investments“. Sie machten in Deutschland im vergangenen Jahr immerhin 882 Milliarden Euro aus – auch das ein Zuwachs von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Risiken minimiert

Dennoch belegen die Zahlen: Die breite Mehrheit der Anleger investiert bis heute weder im Sinne der Definition des Forums nachhaltig noch verantwortlich. Für Rolf Drees, Sprecher des Investmentfonds-Verbandes BVI, sprechen die Zahlen dafür, dass sich viele Anleger zwar gerne damit brüsten, dass sie ihr Geld nachhaltig investieren, tatsächlich würden sie aber oftmals anders handeln. Insgesamt jedenfalls sei die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentfonds überschaubar: „Rund zwei Prozent der in Deutschland vertriebenen Fonds genügen nachhaltigen Kriterien“, sagt Drees am Mittwoch in Berlin. Diese werden auch nicht gerade mit Anlegergeldern geflutet: Sie vereinen nur 1,3 Prozent des in Investmentfonds angelegten Vermögens auf sich. Drees zieht daraus den Schluss: „Am Angebot liegt es nicht, dass nachhaltige Anlagen noch immer nur ein Nischendasein fristen, sondern an der Nachfrage.“

Dabei müssen Anleger, die nachhaltig investieren, laut FNG nicht mit Einbußen bei der Rendite und auch nicht mit höheren Risiken rechnen: „Nachhaltige Investments stehen ihren konventionellen Pendants in punkto Performance in nichts nach“, sagte FNG-Vorstandschef Volker Weber. Mehr noch: „Die Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Kriterien im Anlageprozess trägt dazu bei, Risiken zu minimieren und Ertragspotenziale weiter zu vergrößern“, so Weber.

Innerhalb der nachhaltigen Geldanlage unterscheidet das FNG nach unterschiedlichen Anlagestrategien. So werden zum Beispiel in der Best-in-Class-Strategie die besten Unternehmen innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse ausgewählt. Entscheidend ist dabei, dass diese Unternehmen in sozialer, ökologischer und ethischer Hinsicht die höchsten Standards setzen. So wird unter Umweltaspekten beispielsweise der Ressourcenverbrauch oder die Schadstoff-Emission berücksichtigt. Im Bereich Soziales finden Aspekte wie Gesundheit und Sicherheit, Menschenrechte, oder Mitarbeiter-Diversität Eingang in die Analyse. Aber auch die Unabhängigkeit der Gremien oder die Höhe der Vergütung des Vorstands werden ausgewertet.