Sparschwein mit Riss
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BerlinWer Geld anlegt, egal, ob in Aktien, Fonds oder Sparplänen, möchte, dass es sich vermehrt. Und nicht, dass in einem Börsencrash wie dem jetzigen, Verluste eingefahren werden. Doch lässt sich das überhaupt vermeiden? Und eignet sich eine aktienbasierte Geldanlage überhaupt für jeden?

Die Vorteile wie auch die Nachteile liegen auf der Hand: Aufs sichere Sparbuch gibt es kaum mehr als null Zinsen. Berücksichtigt man die Inflation, findet real sogar eine Geldentwertung statt. Auf einen weltweit aufgelegten Indexfonds, wie beispielsweise dem MSCI World hingegen wartet eine durchschnittliche Rendite von neun Prozent jährlich. Allerdings ist das natürlich nur der Durchschnitt: Im Jahr der Corona-Krise wird auch hier die Rendite erst einmal deutlich sinken. In den vergangenen Wochen hat auch dieser hochgelobte Index 34 Prozent eingebüßt.

Denn gleichzeitig gilt natürlich auch: Die höhere Chance auf Rendite bedeutet in der Regel auch mehr Risiko. Wer sein Geld an der Börse investiert, muss damit rechnen, dass die Kurse schwanken und sich zeitweise auch mal negativ entwickeln. Darauf muss man vorbereitet sein.

Liquidität sicherstellen: Niemals sollte das gesamte Geld in Produkte fließen, an die man einen gewissen Zeitraum gar nicht oder möglicherweise nur mit Verlusten wieder herankommt. Bevor an fondsbasierte Produkte gedacht wird, sollte zuallererst eine Notreserve angelegt werden. „Zu einer guten Geldanlagestrategie gehört es, etwa drei Monatsnettogehälter anzusparen, auf die man in Ausnahmesituationen schnell zugreifen kann“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherratgebers Finanztip. Das kann zum Beispiel das Tagesgeldkonto sein. „Für viele Menschen stellt das bereits eine Herausforderung dar. Wenn finanziell keine Möglichkeit besteht, darüber hinaus Geld anzulegen, sollte sich erst einmal auf diese Notreserve konzentriert werden – längerfristige Anlagen kommen später“, so Tenhagen.

Mit einem solchen Liquiditätspuffer können unerwartete Ausgaben bestritten werden, oder auch einmal für absehbare Zeit der Lebensunterhalt finanziert oder Kredite bedient werden, wenn, wie in der jetzigen Corona-Krise wegen geringerem Kurzarbeitergeld Engpässe drohen. Gleichzeitig müssen in einer solchen Situation dann keine langfristigen Sparverträge aufgelöst oder – wer welche besitzt – keine Fonds verkauft werden, was zum jetzigem Zeitpunkt bei stark gefallenen Kursen ein Minusgeschäft bedeuten würde.  

Zeitplan aufstellen: Wer in Fonds oder Aktien investiert, sollte einen langen Anlagehorizont wählen. Schwankungen am Markt gehören dazu. Lohnen kann sich eine solche Geldanlageform also nur, wenn man die Zeit hat, schlechte Phasen auszusitzen. „Es ist niemals eine gute Idee, in Krisenzeiten hektisch alles zu verkaufen, weil es gerade mal schlecht läuft“, sagt Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB Deutschland), das private Finanzplaner zertifiziert. Ist die Anlage an einen bestimmten Zweck gebunden, beispielsweise zur privaten Altersvorsorge, sollte immer ein Zeitplan aufgestellt werden, der es möglich macht, flexibel auf Krisen zu reagieren und notfalls noch zwei, drei Jahre zu warten, bevor die Anlage aufgelöst wird, um so die schlechten Kurse zu umgehen. „Das geht natürlich nur, wenn nicht die komplette Geldanlagestrategie auf einem Fonds, sondern breit gestreut aufgebaut ist“, so Tilmes. Neben dem kurzfristigen Notgroschen und der langfristigen Anlage ist es ratsam, auch mittelfristige Geldanlageformen in die Finanzplanung mit einzubeziehen. Welche teuren Anschaffungen stehen in den nächsten fünf Jahren an? „Dafür kann beispielsweise ein mehrjähriges Festgeldkonto abgeschlossen werden“, rät Tenhagen.

Große Börsenkrisen der Vergangenheit

Der Schwarze Freitag 1929 leitete die große Weltwirtschaftskrise ein. Es war der Beginn eines Absturzes, der den US-Leitindex Dow Jones bis Mitte 1932 knapp 90 Prozent unter sein vorheriges Rekordhoch drücken sollte. Erst 1954 holte der Dow seine enormen Kursverluste wieder auf.

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 summierte sich der maximale Verlust beim MSCI World für Euro-Anleger auf fast 48 Prozent. Zehn Jahre später waren betroffene Anleger laut Stiftung Warentest aber wieder komfortabel im Plus. Der Dax brach zwischen 2007 und 2009 um über 50 Prozent ein.

Eigene Risikobereitschaft prüfen: Zwar kam die Corona-Krise unerwartet und ist ein Abschwung in einer solchen Heftigkeit eher selten. Aber Börsencrashs kommen vor und vor allem kleinere Schwankungen am Markt sind völlig normal. „Jeder muss sich seiner eigenen Risikobereitschaft bewusst sein“, sagt Tilmes. „Wer nachts nicht schlafen kann, weil die Kurse fallen, für den ist eine Anlage an der Börse womöglich nicht die richtige Wahl.“ Denn gewappnet sein für den nächsten Crash heißt auch, ihn aussitzen zu können. In der Vergangenheit haben sich die Kurse der großen Aktienindizes stets wieder erholt. Allerdings ist manches Mal ein langer Atem gefragt.

Breit streuen: Natürlich gibt es aber auch Aktien, die sich nach einem Crash nicht wieder fangen und dessen Verluste sich mit dem einst investierten Geld nicht wieder aufholen lassen. „Für Privatanleger eignen sich einzelne Werte aber ohnehin weniger“, so Tilmes vom FPSB. „Das Risiko lässt sich am besten durch eine breite Streuung mindern.“ Also weniger Einzeltitel, sondern Fonds oder ETF, also börsengehandelte Indexfonds, die weltweit aufgelegt sind und Werte aus mehreren Ländern und Branchen enthalten.  

Strategie neu bewerten: Wer in der Vergangenheit anders gehandelt hat, also beispielsweise auf eine einzelne, nun schlecht laufende Branche gesetzt hat, sollte seine Strategie für die Zukunft kritisch unter die Lupe nehmen. Hier gilt der Rat vom langen Atem dann ausnahmsweise nicht: Während davon auszugehen ist, dass sich breit gestreute Fonds und ETF wieder erholen, sollte bei einem hinfällig gewordenen Anlageplan lieber die Notbremse gezogen werden.