Berlin - Für Michael Müller hätte es am Dienstag kaum besser laufen können. In die Stadt, die einst zu den Industrie-Metropolen Europas zählte, aber mittlerweile als industrieschwach gilt, wird investiert. Während eines Besuchs des Regierenden im Spandauer BMW-Werk verkündete der Münchener Konzern, der seit 1969 seine Motorräder an der Spree fertigt, die Investition von über 100 Millionen Euro in den Ausbau des Werks. Die Bayern setzen auf Berlin.

Schon jetzt ist BMW der nach Siemens, Daimler und Vattenfall viertgrößte industrielle Arbeitgeber in der Stadt. Etwa 2000 Beschäftigte produzieren hier Motorräder, Scooter, Fahrwerks- und Antriebskomponenten. Bis dato verließen über 2,7 Millionen Zweiräder die Produktionshallen am Juliusturm. In Spitzenzeiten rollt alle 72 Sekunden ein Motorrad vom Band, insgesamt sind es bis zu 680 Einheiten am Tag. Im vergangenen Jahr markierten über 125.000 Fahrzeuge eine Rekordjahresproduktion. Aber dabei soll es nicht bleiben. „Wir werden unser Produktionsvolumen mittelfristig nahezu verdoppeln“, sagte Stephan Schaller, Chef der Motorrad-Division des Automobilherstellers, am Dienstag.

Ein Geldsegen für die Berliner Industrie

Wenngleich BMW den Zeitraum für diese Produktionsverdopplung offen lässt, das Statement ist unmissverständlich. „Die Investitionen der nächsten Jahre sind ein klares Bekenntnis zum Standort und sichern unsere hohe Leistungsfähigkeit“, sagte Marc Sielemann, Werkleiter in Spandau. Konkret geht es um den Ausbau der Lackierkapazitäten und ein neues Logistikzentrum. Dafür hatte BMW bereits vor drei Jahren ein Nachbargrundstück gekauft, auf dem Investoren einst ein Bürocenter errichten wollten. Fertig wurde es nie. Da Bauherren mit der Hoffnung auf kurzfristigen Erfolg gescheitert waren, kann nun BMW seine langfristige Strategie fortführen.

Auf dem Areal, das fast so groß ist wie sechs Fußballfelder, soll unter anderem ein 40 Meter hohes Regallager mit 32.000 Stellplätzen entstehen. Die Inbetriebnahme des laut BMW weltweit modernsten Logistikzentrums in der Motorradbranche ist für 2017 geplant.

Für die Berliner Industrie, der Unternehmen wie Siemens, AEG, Agfa oder Varta ihre Existenz zu verdanken haben, ist die BMW-Investition eine der größten der vergangenen Jahre. Das wird das verarbeitende Gewerbe stärken, das längst nicht mehr das Rückgrat der hauptstädtischen Wirtschaft ist. Nur noch knapp 17 Prozent beträgt der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung in der Stadt. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten insgesamt 105.000 Beschäftigte in zusammen 7000 Betrieben einen Umsatz von über 22 Milliarden Euro.