Rom - Die Geldwäsche-Ermittlungen der italienischen Justiz gegen einen hochrangigen Geistlichen sowie gegen die Vatikanbank haben jetzt zu personellen Konsequenzen geführt. Der Generaldirektor des Instituts für religiöse Werke (IOR), wie die Bank offiziell heißt, Paolo Cipriani, sowie dessen Vize Massimo Tulli sind zurückgetreten. Beide hätten entschieden, dass dieser Schritt im Interesse der Bank und des Vatikans sei. Er sei im Einverständnis mit Papst Franziskus und der von ihm eingesetzten fünfköpfigen Untersuchungskommission zur Vatikanbank erfolgt, wie der Vatikan mitteilte.

Suche nach Nachfolgern hat begonnen

Der Präsident des IOR, der seit Februar amtierende deutsche Banker Ernst von Freyberg, soll die Funktion des Generaldirektors übergangsweise übernehmen. Die Suche nach Nachfolgern habe begonnen. Am Freitag war der 61-jährige Geistliche Nunzio Scarano unter dem Verdacht der Geldwäsche festgenommen worden. Der Prälat, selbst ein ehemaliger Banker, war bis vor einem Monat Rechnungsprüfer der vatikanischen Immobilienverwaltung und wurde wegen seines großzügigen Umgangs mit Geld „Monsignore 500 Euro“ genannt. Scarano soll mit Hilfe eines ehemaligen italienischen Geheimdienstmitarbeiters und eines Finanzmaklers versucht haben, 20 Millionen Euro illegal aus der Schweiz nach Italien zu bringen. Außerdem wird gegen ihn wegen weiterer undurchsichtiger Finanzgeschäfte ermittelt, für die er Konten bei der Vatikanbank nutzte. Vor vier Jahren hob der Prälat 560 000 Euro in bar von seinem IOR-Konto ab und ließ sich von Bekannten als Spenden deklarierte Schecks von je 10 000 Euro geben, die er den Ausstellern in bar zurückzahlte. Die Staatsanwaltschaft Salerno vermutet dahinter Geldwäsche. Scarano sitzt in Untersuchungshaft in einem römischen Gefängnis.

Heikle Transaktionen

Abhörprotokolle der Ermittler legen nahe, dass der Prälat ein enges Vertrauensverhältnis zu den Vatikanbank-Direktoren hatte und dass diese Scaranos heikle Transaktionen mit ihren Unterschriften ermöglichten. Gegen Paolo Cipriani und Massimo Tulli wird bereits seit 2010 wegen Verletzung geltender Regeln zur Geldwäsche-Bekämpfung ermittelt. Italienische Medien vermuten, dass Papst Franziskus den Direktoren den Rücktritt nahegelegt hat, weil die Justiz ihre Ergebnisse in Kürze präsentieren wird.

Franziskus hat immer wieder betont, dass die Kirche arm sein müsse und auch Petrus kein Bankkonto gehabt habe. Deshalb wird darüber spekuliert, dass er die Vatikanbank völlig umstrukturieren oder sogar abschaffen wolle. „Das IOR ist notwendig, aber nur bis zu einem gewissen Punkt“, sagt Franziskus. Das Institut müsse mit den Aufgaben der Weltkirche harmonieren. Das nährt die Vermutung, dass die Vatikanbank mit geänderten Statuten zu einer „Ethikbank“ umgebaut werden soll.

Das Institut verwaltet unter anderem Spenden an die katholische Kirche und das Vermögen von Orden und kirchlichen Institutionen. Die 19 000 Kontoinhaber sind anonym, das IOR veröffentlicht keine Bilanzen. Wegen der geringen Transparenz und Kontrolle von Geldflüssen hat es den Ruf einer Steueroase und wurde immer wieder in Zusammenhang mit Mafia-Geheimkonten und Schmiergeld-Skandalen gebracht. Der Europarat kritisierte 2012 Mängel im Kampf gegen Geldwäsche.

Bankchef von Freyberg, der noch unter Benedikt XVI. eingesetzt worden war, gilt nicht als Wunschkandidat von Franziskus.