Der Monarchfalter fliegt Tausende von Kilometer über den amerikanischen Kontinent und liefert eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele, wenn er sich im Spätherbst aus Kanada kommend in Mexiko zu Millionen im Winterquartier versammelt. Doch seit in den USA infolge der Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen auch der Verbrauch von Totalherbiziden drastisch angestiegen ist, bricht die imposante Population des Falters ein. Denn die Herbizide vernichten nicht nur Unkraut in Soja- oder Maisäckern, sie dezimieren auch die Futterpflanze seiner Raupen. Die Population des Monarchfalters ist deshalb auf einem Tiefpunkt angelangt.

Immun gegen Herbizide

Vor einer solchen Entwicklung und einem beschleunigten Verlust von Biodiversität in Europa warnen jetzt die Naturschutz- und Umweltbehörden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in einer gemeinsam verfassten Studie. Das Beispiel der Landwirtschaft in den USA und Südamerika mit einem fast flächendeckenden Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zeige, welche Folgen die Gentechnik und die damit einhergehende Intensivierung der Landwirtschaft für die Artenvielfalt haben könne.

Seit 20 Jahren werden in Nord- und Südamerika Pflanzen wie Mais, Soja und Raps angebaut, die mit Hilfe der Gentechnik resistent gegen die Verwendung der Herbizide Glyphosat und Glufosinat wurden. Die Studie, für die in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz (BfN) verantwortlich zeichnet, zeigt auf, dass – anders als von der Industrie versprochen – der Herbizidverbrauch nicht ab-, sondern kontinuierlich zugenommen hat – denn die Gen-Pflanzen nehmen ja keinen Schaden. Die Folge, so das Bundesamt für Naturschutz, sei „eine deutliche Abnahme der Biodiversität auf und neben den Ackerflächen“.

Dabei geht es vor allem um die systematische Vernichtung oder Ausrottung unverzichtbarer Elemente des ökologischen Nahrungsnetzes. Denn der Gifteinsatz trifft nicht nur auf dem Acker unbeliebte Unkräuter, sondern er greift zerstörend in die gesamte Flora und Fauna auf den Feldern und ihrer Umgebung ein.

Der Schmetterling Monarch ist also ein Symbol dafür, dass Nahrungspflanzen an den Rand gedrängt und in der Folge auch Tiere – räuberische Insekten und Vögel – getroffen werden. Weil die Unkrautbekämpfung in Gentec-Feldern effektiver funktioniere als im konventionellen Landbau, seien die Konsequenzen für die Artenvielfalt durchschlagender, stellen die Autoren der Studie, darunter die Staatssekretärin im hessischen Umweltministerium, Beatrix Tappeser, fest. Mit der Gentechnik drohe eine Beschleunigung des ohnehin schon dramatische Artenverlustes. Seit den 1950er Jahren hätten die Populationen von Wildpflanzen, Käfern, Spinnen oder Vögeln der Feldflur bereits um bis zu 90 Prozent abgenommen.

Sorgen bereitet einem Bündnis von zehn Umwelt- und Landbauorganisationen die bevorstehenden Zulassung eines Gentech-Rapses in Europa. Die Sorte Mon 88302 soll zwar nur als Futtermittel zugelassen werden, ist aber vermehrungsfähig und könnte sich unkontrolliert ausbreiten, warnt der Münchner Wissenschaftler Christoph Then vom Labor Test-Biotech.

Then verweist auf eine Stellungnahme der EU-Lebensmittelbehörde EFSA, die im Falle des Raps Mon 88302 sogar selbst von einer unwillkürlichen Verbreitung dieser Pflanzen ausgeht. Then zitiert die Behörde EFSA mit dem Satz, wonach „das Auftreten verwilderter gentechnisch veränderter herbizidresistenter Pflanzen überall da wahrscheinlich“ sei, wo Gentec-Raps ausgebracht und transportiert wird.

Gen-Pflanzen an der Bahn

Dass die EFSA dennoch mit der Zulassung von Mon 88302 kein Problem hat, verwundert: So hatte Greenpeace in der Schweiz unter anderem im Raum Basel aufgedeckt, dass entlang von Bahnlinien und Häfen Gentec-Raps gedeiht, obwohl diese Pflanzen auch im Alpenland verboten sind. Die Ausbreitung des Gentec-Rapses war daraufhin auch von den Schweizer Behörden bestätigt worden.

Das Problem besteht in den speziellen Eigenschaft von Raps: Keine andere Kulturpflanze verbreitet sich so leicht, der Pollen fliegt kilometerweit, das Saatgut ist im Boden zehn Jahre keimfähig. Der Gen-Raps hat neben der Herbizidresistenz weitere besondere Eigenschaften, die er in wilde Senf-, Hederich- oder Rübsenarten auskreuzen könnte. Christoph Then pessimistisch: „Sollten diese Pflanzen in der Zukunft ökologische Schäden verursachen, gibt es keine Möglichkeit, sie wieder aus der Umwelt zu entfernen.“