Die Chefpositionen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) scheinen Skandale anzuziehen: Nach der spektakulären Verhaftung des französischen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn auf dem Rollfeld des New Yorker Kennedy-Flughafen wegen angeblicher Vergewaltigung einer Hotelangestellten und der Verurteilung seiner Nachfolgerin Christine Lagarde wegen des nachlässigen Umgangs mit französischen Steuergeldern schien es in den vergangenen Monaten so, als würde auch die aktuelle IWF-Chefin Kristalina Georgiewa von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Eine Untersuchung der US-Kanzlei WilmerHale warf der früheren Weltbank-Chefin vor, ihre Mitarbeiter zur Fälschung von Daten zugunsten von China angestiftet zu haben.

Die bulgarische Ökonomin, die unter anderem als EU-Kommissarin unter José Manuel Barroso und Jean-Claude Juncker gedient hatte, bestritt alle Vorwürfe vehement. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte das Vertrauen in Georgiewa verloren und wollte die Bulgarin loswerden. Eigentlich können die Amerikaner im IWF alles durchsetzen, weil sie die bestimmende Nation sind. Doch die Europäer, allen voran Frankreich, zogen nicht mit. Ob der Widerstand der Franzosen aus Überzeugung geschah oder als Revanche für die Blamage beim U-Boot-Deal mit Australien, ist nicht klar. Vorerst darf Georgiewa weitermachen. Das beschloss der Aufsichtsrat dieser Tage. Allerdings bliebt sie weiter unter Beobachtung, wie Yellen ankündigte. Immerhin kann Georgiewa darauf verweisen, dass für sie schon einmal die Regeln geändert wurden: Sie hat die 65-Jahre-Altersgrenze überschritten, die für den Job gilt – und hat es trotzdem geschafft.