Berlin - Wegen der Einstellung des Flugbetriebs bei der Fluggesellschaft Germania sind am Dienstag 18 Verbindungen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld annulliert worden. Wie eine Sprecherin der Berliner Flughafengesellschaft mitteilte, handelte es sich um jeweils sechs Abflüge und Ankünfte in Tegel sowie jeweils drei Flüge in Schönefeld. Die Flüge seien über den ganzen Tag verteilt gewesen, so dass der Ausfall keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb habe, so die Sprecherin.

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hatte in der Nacht mitgeteilt, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt zu haben und den Flugbetrieb einzustellen. Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass Finanzierungsbemühungen zuletzt vergeblich gewesen seien. „Ganz besonders bedauern wir selbstverständlich die Auswirkungen, die dieser Schritt auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat. Sie alle haben als Team stets ihr Bestes gegeben – auch in den angespannten Wochen, die hinter uns liegen“, wird Geschäftsführer Karsten Balke in einer offiziellen Stellungnahme der Flugggesellschaft zitiert. Die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania waren Anfang Januar bekannt geworden.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Airlines bieten Germania-Passagieren verbilligte Tickets an

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania bieten verschiedene Fluggesellschaften den betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Angebote richten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar 2019 ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet. Das gleiche Verfahren bietet Tuifly an. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind.

Zusätzlich soll auf lufthansa.com in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Hier sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten) geplant. 

FDP fordert „stimmiges Luftverkehrskonzept für Berlin“

Nach Bekanntgabe der Insolvenz von Germania sieht die FDP auch Berlins Bürgermeister Michael Müller und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in der Pflicht, für die Beschäftigten eine „tragfähige Lösung“ zu finden.

„Nun verliert die Hauptstadt nach Air Berlin die nächste Fluggesellschaft“, sagte Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP am Dienstagmorgen mit. „Als FDP-Fraktion fordern wir ein stimmiges Luftverkehrskonzept für den Standort Berlin.“

Verdi sichert Airline-Beschäftigten Hilfe zu

Die Gewerkschaft Verdi hat den Mitarbeitern der insolventen Fluggesellschaft Germania rechtliche Unterstützung zugesichert. „Die Crews haben trotz der Turbulenzen den vollen Einsatz gezeigt und dürfen jetzt nicht allein gelassen werden“, sagte Christine Behle vom Verdi-Bundesvorstand am Dienstag. Weil es bei Germania keine Tarifverträge und keine Betriebsräte gebe, sei die Gewerkschaft eigentlich nicht in das Insolvenzverfahren involviert.

Für das Scheitern von Germania und Air Berlin machte Verdi einen ruinösen Wettbewerb unter den Airlines verantwortlich. Billige Tickets seien zulasten der Beschäftigten gegangen. Die Mitarbeiter würden in vielen Fällen schlecht bezahlt und hätten keine Mitbestimmungsrechte, so die Gewerkschaft.

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. (dpa/BLZ)