Gerüchte über Fusion: Etihad will Air Berlin und Alitalia vereinen

Gut aufgestellte Konzerne sind ständig auf der Suche nach ertragreichen Perlen, die sie sich einverleiben oder mit denen sie sich zusammenschließen können, um ihre Schlagkraft weiter zu erhöhen. Deswegen kommen Fusionen und Übernahmen in der Wirtschaft in aller Regel zwischen erfolgreichen Firmen zustande, die gemeinsam noch erfolgreicher werden wollen.

Die finanzstarke Airline Etihad aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi will nun offenbar das Gegenmodell erproben: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will sie die beiden hochdefizitären und krisengeplagten Fluggesellschaften Air Berlin und Alitalia zusammenlegen. An Air Berlin sind die Araber bereits mit knapp 30 Prozent beteiligt. Diesen Anteil wollen sie demnach auf fast 50 Prozent aufstocken. Mit Alitalia verhandelt Etihad schon seit geraumer Zeit über einen Einstieg. Insidern zufolge könnte Etihad damit in Europa versuchen, einen neuen Rivalen zu den Branchenriesen Lufthansa und British Airways Iberia zu formen – ganz nach dem Motto: Aus zwei hoffnungslosen Verlierern mache einen strahlenden Gewinner.

Wilde Spekulationen

Wilde Gerüchte über die Zukunft von Air Berlin gibt es schon seit Tagen. Und die hat das Unternehmen selbst ausgelöst. Denn am vergangenen Mittwoch hat die Fluggesellschaft im letzten Moment ihre für den folgenden Tag geplante Bilanzpressekonferenz um eine Woche verschoben. Begründung: Das Unternehmen führe „fortgeschrittene Gespräche über Optionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden“.

Das kann alles oder nichts bedeuten, öffnet in jedem Fall aber Spekulationen Tür und Tor. Einer dieser Spekulationen zufolge will Etihad Air Berlin von der Börse nehmen. Demnach soll die Airline von der derzeitigen britischen Rechtsform „plc“ in eine deutsche GmbH umgewandelt werden. Das Nachsehen hätten die Kleinaktionäre, die dann herausgedrängt würden.

Noch chaotischer läuft es bei Alitalia. Die Airline soll mit 2,5 Milliarden Euro verschuldet sein – genaue Zahlen sind nicht bekannt. Um die Kosten zu senken, wurde Kurzarbeit für über 1400 Mitarbeiter eingeführt. Piloten und Flugbegleiter sollen auf ein Viertel ihres Gehalts verzichten. Noch radikalere Lösungen scheiterten bilang am Widerstand von Politik und Gewerkschaften.