Wegen der schweren wirtschaftlichen Krise leidet die Gesundheit der europäischen Bevölkerung. Zu diesem Schluss kommen Gesundheitsexperten in einer Studie, die im renommierten Fachmagazin The Lancet erschienen ist. Selbstmorde und Gemütskrankheiten hätten insbesondere in den Krisenländern erheblich zugenommen. In Griechenland flammen einer anderen Studie zufolge Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose wieder auf.

Die Forscher gehen scharf mit der EU-Kommission ins Gericht. Sie ignoriere die gesundheitlichen Folgen der Sparpolitik für die Bürger. Anstatt die Folgen der Sparpolitik zu bewerten, wie es rechtlich vorgeschrieben sei, beschränke sich das Gesundheitskommissariat darauf, den Gesundheitspolitikern der Mitgliedsländern Spartipps zu geben.

Die Folge daraus sei, dass derzeit kaum aktuelle Daten zum Gesundheitszustand der Bevölkerung vorhanden seien. Die Daten, die vorhanden seien, gäben jedoch Grund zur Besorgnis – obwohl sie bislang lediglich die Anfangsphase der Krise erfassen würden. So sei seit 2007 die Zahl der Selbstmorde in der EU gestiegen, nachdem es zuvor in vielen Ländern einen jahrelangen Rückgang gab. Auch Gemütserkrankungen seien in den Krisenländern auf dem Vormarsch. Besonders gravierend seien die Auswirkungen der Krise in Griechenland: Dort bezeichneten deutlich mehr Menschen ihren Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht. Gab es in dem Land vor der Krise lediglich 10 bis 15 HIV-Infektionen pro Jahr, sei diese Zahl auf 314 in den ersten acht Monaten in 2012 gestiegen, weil Präventionsprogramme gestrichen wurden.