Erneut wird in der Berliner Industrie um das Überleben und die Zukunft eines Werkes gerungen: Das Getränkedosenwerk des britischen Konzerns Rexam in Zehlendorf nahe der Landesgrenze zu Brandenburg soll Ende des Jahres geschlossen werden. Davon werden nach Angaben der IG Metall 165 Mitarbeiter betroffen sein. Die Schließung des Betriebes wollen die Beschäftigten aber nicht tatenlos hinnehmen: Am heutigen Dienstag findet eine Betriebsversammlung statt, auf der über weitere Schritte beraten werden soll. Am Vormittag wollen die Mitarbeiter direkt vor dem Werk in der Goerzallee gegen die Schließung protestieren.

Rexam, ein weltweit führender Hersteller von Konsumgüterverpackungen und Getränkedosen mit zuletzt 443 Millionen Euro Gewinn bei fast 4,8 Milliarden Euro Umsatz, will das Werk aus Kostengründen dichtmachen: Berlin sei das Werk mit den höchsten Kosten im europäischen Geschäftsbereich des Konzerns und daher am wenigsten wettbewerbsfähig, hieß es.

Dieser Einschätzung widerspricht die IG Metall vehement. Berlin sei als Werk für Spezialaufträge entwickelt worden, so dass deshalb hier die Kosten teilweise höher seien als in anderen Werken. Belegschaft und Gewerkschaft seien aber absolut erbost darüber, dass das Werk trotz schwarzer Zahlen geschlossen werden soll. „Dem Konzernvorstand von Rexam sprudeln die Gewinne nicht üppig genug“, sagt Gewerkschaftssekretär Rüdiger Lötzer. Dass das Berliner Werk Gewinn macht, und dass der Markt für Getränkedosen seit Jahren wieder wachse – all das interessiere die Konzernleitung in London nicht. Auch ein Alternativkonzept der Belegschaft sei abgelehnt worden. Eine Schließung lohne sich mehr, habe die zynische Antwort aus der Führungsebene gelautet, gab die IG Metall bekannt. Die Betriebsräte hatten dem Konzern ein Konzept vorgelegt, nach dem das Werk weitere zehn Jahre hätte produzieren können – und zwar profitabel. Unter anderem sollten zusätzliche Produktionen ins Werk hereingeholt und über das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern die Produktion über einen längeren Zeitraum auslaufen. Das hätte die Schließungskosten deutlich verringert.

Das Werk produziert bereits seit Jahrzehnten und gilt allerdings mehr als eine sogenannte verlängerte Werkbank. Zur Zeit der deutschen Teilung wurden solche Werke im Westteil der Stadt mit der Berlin-Förderung kräftig unterstützt, um Arbeit und Einkommen in der Stadt zu halten. Als mit der Einheit schrittweise diese Förderung endete, folgte ein drastischer Strukturumbruch und der Verlust von tausenden Arbeitsplätzen – wie auch im Osten, dort nur aus anderen Gründen.

Möglicherweise ist die angekündigte Schließung doch noch nicht das letzte Wort des Konzerns. Ein Interessent stehe bereit, um das Werk zu übernehmen, erklärte die IG Metall. Und vielleicht könnten Rexam auch die Schließungskosten im hohen zweistelligen Millionen-Bereich letztlich doch zuviel sein.