In diesen Blättern steckt kein Tropfen Wasser. Graubraun neigen die Maispflanzen auf den Feldern in Wisconsin ihre Köpfe gen Boden. Geerntet wird hier nichts mehr. Die USA leiden unter der schwersten Dürre seit 1956. Die Trockenheit trifft nach offiziellen Angaben fast zwei Drittel des Landes. In vielen Gebieten hat es seit acht Wochen nicht mehr richtig geregnet. So vertrocknen auch Soja- und Weizenpflanzen. US-Behörden riefen in 29 Bundesstaaten den Notstand aus.

Die USA sind weltweit der wichtigste Exporteur von Mais, Soja und Weizen. Nahezu die Hälfte dieser Rohstoffe wird dort angebaut, eine von drei gehandelten Tonnen stammt aus den Vereinigten Staaten. Und so bedroht diese Dürre die ganze Welt.

Die Angst vor einem Versorgungsengpass lässt die Preise von Agrarrohstoffen in die Höhe schießen. Mais und Soja sind noch teurer als 2007 und 2008. Zur Erinnerung: Damals sorgten hohe Lebensmittelpreise für Bürgerproteste von Bangladesch bis Haiti. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hungern etwa eine Milliarde Menschen.

Soja-Preis verdoppelt sich

Am Freitag kostete ein Bushel Soja 17,29 Dollar. Ein Bushel oder auch Scheffel sind 35,24 Liter. Am Donnerstag waren es noch 16,83 Dollar. Der bisherige Rekord des Sommers 2008 lag bei 16,37 Euro. Der Weizenpreis hat das Hoch von vor vier Jahren noch nicht überschritten, steigt aber ebenfalls.

Meteorologen warnen, die Dürre werde die kommenden zwei Wochen anhalten. Händler reduzierten daraufhin ihre Prognosen, die Maisernte werde ein Drittel geringer ausfallen als im Vorjahr.

„Ich knie jeden Tag nieder und spreche ein Extragebet“, sagte US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack.

Die schlechten Aussichten locken Spekulanten in den Markt. Die US-Terminbörsenaufsicht Commodities Futures Trading Commission meldet, die Zahl der auf steigende Preise setzenden Geschäfte von Hedgefonds liege auf dem höchsten Stand seit April. Experten zufolge haben diese Geschäfte aber keinen großen Einfluss auf die Preise. Agrarrohstoffe sind teuer, weil die Dürre das Angebot verknappt. Die Spekulanten sind dieser Bewegung gefolgt.

Ob sie die Kosten jetzt weiter nach oben treiben, darüber streiten Wissenschaftler. Eindeutige Studienergebnisse gibt es zu dem Thema bislang nicht. Den größten Einfluss auf den weiteren Kursverlauf hat jetzt das Wetter. Wenn die Dürre anhält, werden Soja, Mais und Weizen immer teurer.

Zumal der Rest der Welt die entstehende Lücke nicht füllen kann. Auch Russland und die Ukraine leiden unter Hitzewellen. Und in vielen europäischen Ländern ist die Witterung zu nass. In Deutschland bringt das anhaltende Regenwetter die Landwirte zunehmend in Bedrängnis.

Analysten: Lebensmittelpreise werden auf Rekordniveau klettern

Eigentlich sind Gerste und Raps erntereif. Schon vor rund zwei Wochen hätten erste Bestände gedroschen werden können. Seither komme die Getreideernte jedoch aufgrund der Witterungsbedingungen nur schleppend voran. Analysten erwarten, dass die Lebensmittelpreise in der ganzen Welt auf einen Rekordstand klettern.

Die Börsen-Zeitung berichtet, in China koste eine Tonne Sojabohnen bereits mehr als eine Tonne Baustahl.

Neben Getreideerzeugnissen dürfte insbesondere Fleisch deutlich teurer werden, weil Landwirte ihr Vieh vornehmlich mit Soja und Mais füttern. An der Chicagoer Terminbörse CME steigen die Preise für Termingeschäfte auf lebende Rinder bereits.„Vor einigen Wochen war die Situation noch ruhig, mittlerweile ist sie besorgniserregend“, zitiert Bloomberg den Abdolreza Abbassian, Nahrungsmittelexperte der Vereinten Nationen. Er fürchtet, dass die Preise auf breiter Front anziehen. „Es wird ganz offensichtlich kein entspannter Sommer.“

Wie angespannt der Sommer noch werden kann, verdeutlicht ein Rückblick ins Jahr 2010. Damals verhängte Russlands Premier Wladimir Putin nach einer schweren Dürre und verheerender Brände ein Exportverbot für Getreide und hob es erst zum 1. Juli 2011 wieder auf.