Das Weltwirtschaftsforum veröffentlichte seinen Bericht zur Gleichberechtigung. Deutschlands Abschneiden ist beschämend.
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BerlinDie Zahlen sind beschämend. Beim durchschnittlichen Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 68. Das heißt: In 67 Ländern auf der Welt ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen kleiner. Noch deutlicher ist die Ungleichheit bei der Machtverteilung in der Wirtschaft. In deutschen Unternehmen haben mehrheitlich die Herren das Sagen, im internationalen Vergleich reicht es gerade mal für Platz 89.

Diese Zahlen hat nicht irgendjemand erhoben, sondern das Weltwirtschaftsforum. Die für ihre jährlichen Gipfeltreffen im schweizerischen Davos berühmte Institution gilt nicht gerade als Hort des Feminismus. Aber die Wirtschaftsexperten dort haben verstanden, dass Gleichberechtigung nicht nur eine Frage von Anstand, Ethik oder Moral ist, sondern dass es vor allem um ökonomische Vorteile geht. Unternehmen, die in ihren Führungsetagen divers aufgestellt sind, schlagen sich im Wettbewerb besser. 50 Prozent der Konsumenten sind Frauen. Es ist sinnvoll, die Interessen der Kundinnen zu kennen.

Ein Eingriff der Politik sollte vermieden werden

Hinzu kommt, dass sich noch immer viele hochqualifizierte Frauen aus dem Berufsleben zurückziehen, wenn die Familiengründung ansteht. Das hängt auch damit zusammen, dass Familie und Arbeit trotz gegenteiliger Beteuerungen noch immer nicht sonderlich gut miteinander zu vereinen sind. Viel zu häufig gilt das Motto: ganz oder gar nicht. Die Wirtschaft sollte bei der Gleichberechtigung schon im eigenen Interesse Gas geben. Tut sie es nicht, wird die Politik per gesetzlichem Zwang eingreifen. Das macht die Dinge nur selten einfacher – und fast nie besser.