Auf einer Bootstour über die Ostsee hatte Anno August Jagdfeld das Paradies im Osten entdeckt: Heiligendamm, die „Weiße Stadt am Meer“. Ein beschaulicher Ort, zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn gelegen. Das einstige kaiserliche Ostseebad war verfallen. Die damalige Treuhandanstalt bot die baufällige Gebäudepracht aus dem DDR-Volkseigentum willigen Investoren zum Kauf an.

Jagdfeld wollte. Der Immobilienunternehmer aus Berlin (Nobelhotel Adlon) erwarb ein Ensemble mit klassizistischen Hotelgebäuden, Villen und einem Gut samt 520 Hektar Land. Über einen Immobilienfonds, in den vermögende Privatiers, Unternehmen, Banken und Versicherungen rund 130 Millionen Euro einzahlten, wurde die Sanierung zu einem prachtvollen Luxushotel finanziert. Doch die Fondsinhaber hatten wenig Freude an ihrem Investment. Im Vorjahr meldete das Hotel Insolvenz an.

Nun gibt es erstmals nach Jahren Hoffnung: Das Hotel hat neue Besitzer. Die Berliner Beratungs- und Immobilienfirma Palladio und die Investitionsgesellschaft De & De Holding haben den Komplex erworben. Wie es heißt, soll die Gruppe rund 30 Millionen Euro gezahlt haben. Das Geld komme zum großen Teil aus Istanbul in der Türkei. Die Gruppe will den Komplex weiter als Fünf-Sterne-Plus-Hotel betreiben. Es sei ein wunderschönes Hotel, das aber „gewisse kleine Probleme“ habe, wie Palladio-Vorstand Michael Stehr es ausdrückte.

Kleine Probleme? Von Beginn an liefen die Geschäfte in Heiligendamm schlecht, weil sich trotz des Überflusses an Luxus und Komfort nicht genug Gäste einfinden wollten. Jagdfeld macht dafür vor allem die vielen störenden Zaungäste verantwortlich. Mehrere Busladungen mit Gästen aus nahe gelegenen Senioreneinrichtungen und von Campingplätzen würden Tag für Tag in Heiligendamm angefahren, um den Komplex und die Reichen beim Bade anzuschauen.

Vielleicht lag die schwache Auslastung ja auch an den satten Übernachtungspreisen von um die 800 Euro. Zeitweise wurden die Zimmer deshalb deutlich günstiger über Tchibo feilgeboten. Das half ebenso wenig wie die weltweite Reklame für das Kaiserbad 2007, als sich die damals Mächtigen der Welt auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm trafen. Die Bilder gingen um die Welt. Die Gäste blieben auch danach weiter aus.