Auf Youtube wuchern die Sendeplätze für alternative Wirtschaftsthemen wie Pilze auf feuchtem Waldboden. In unzähligen Kanälen findet sich dort, was in der Financial Times niemand schreiben würde: Die Mega-Krise ist nah. Rette sich, wer kann! Retten Sie vor allem ihr Geld – die Hyperinflation kommt.

Die Wurzel des Problems aus Sicht der Youtube-Finanzgemeinde: Geld ist nicht mehr Gold. Seitdem der Goldstandard in den 1970er Jahren aufgehoben und das Geld nicht mehr daran gebunden ist, überschwemmt es die Märkte. Das hat bis zur Finanzkrise 2008 irgendwie funktioniert und seitdem eigentlich nur noch, weil Mario Draghi in der Folge seine Bazooka auspackte. „Whatever it takes“, verkündete der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, ehe er billiges Geld in den Markt schoss. Seitdem hänge die Weltwirtschaft am Tropf, so die These auf Youtube.

Nun. Neo-klassische Ökonomen argumentieren gar nicht so weit von diesen Szenarien entfernt. Und tatsächlich stellt sich ganz seriös betrachtet die Frage: Wie viel Geld kann man eigentlich drucken? Müsste da nicht zwangsläufig irgendwann eine Korrektur kommen? Bestimmt. Aber vielleicht anders als gedacht. Die 1970er Jahre haben noch eine ganz andere Entwicklung losgetreten: die der Internettechnologie. Das allermeiste „Geld“ existiert ja jetzt schon nur noch digital und ist damit ganz offiziell: eine Glaubensfrage. Vielleicht wird es Zeit für neue Stabilitätsmechanismen. Aber die in alten Ideen festzumachen, ist einfach sehr reaktionär gedacht. Die EZB steht ohnehin vor einer Neudefinition als Notenbank. Ihre aktuelle Chefin Christine Lagarde befördert schon eine ganze Weile ein Thema, das eine echte Revolution bedeuten könnte: eine eigene Digitalwährung.