Berlin - Als im Oktober 2008 das Weltfinanzsystem wackelte, trat Kanzlerin Angela Merkel vor die deutsche Öffentlichkeit und verkündete: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Zwar hätte der Bund diese riesige Summe niemals wirklich garantieren können. Aber darauf kam es nicht an. Mit ihren Worten wollte Merkel die Bevölkerung beruhigen und einen so genannten Bank Run verhindern – also die Gefahr, dass verunsicherte Sparer ihr Geld von der Bank holen und die Bank dadurch tatsächlich pleite geht. Genau die gegenteilige Strategie scheinen EU-Kreise bezüglich Griechenland zu verfolgen. Mit inoffiziellen Äußerungen provozieren sie einen Bank Run und untergraben das griechische Finanzsystem.

Bereits seit Monaten ziehen griechische Haushalte und Unternehmen schrittweise ihre Einlagen von den Banken ab – entweder, weil sie auf Grund der Wirtschaftsmisere ihr Erspartes plündern müssen oder weil sie ihr Geld vor einer Bankpleite in Sicherheit bringen wollen. Sollte es zu einer solchen Pleite kommen, hätte Athen kaum das Geld, die Finanzinstitute zu retten.

Athen muss sich mit den Gläubigern einigen

Ausgeglichen wird der Abzug noch dadurch, dass sich die griechischen Banken bei ihrer Nationalbank Geld leihen. Das sind die ELA-Notfallkredite, die die Europäische Zentralbank (EZB) genehmigen muss. Diese Woche hat sich der Einlagenschwund allerdings verstärkt. Kein Wunder: Am Dienstag berichtete die Süddeutsche Zeitung  von einem Notfallplan der EU. Sollte sich Athen nicht mit seinen Gläubigern einigen, so könnten schon nächste Woche  Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland eingeführt werden, zur Not würde das Land vom europäischen Zahlungssystem isoliert. Sprich: Sparer kämen nicht mehr an ihr Geld. Der Bericht nannte keine Quellen, die Information kam aber wohl aus EU-Kreisen.

Der nächste Schlag kam am Donnerstag: „Mit den Verhandlungen vertraute Personen“ berichteten der Agentur Reuters, EZB-Direktor Benoit Coeuré habe dem Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gesagt, er wisse nicht, ob die griechischen Banken am Montag noch öffnen könnten. Die EZB dementierte zwar zwar inoffiziell. Doch zwei weitere „leitende Beamte“, die an dem Gespräch teilgenommen hatten, bestätigten der Financial Times die Aussage Coeurés.

Interna entwickeln gefährliche Eigendynamik

Wer auch immer diese Interna an die Öffentlichkeit bringt, er spielt ein gefährliches Spiel. „Worte über Banken können eine Eigendynamik entwickeln“, so Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Im Klartext: Wenn man über kommende Bankschließungen spricht, redet man genau den Kundenansturm herbei, von dem die EU-Offiziellen noch sagen, das sie ihn verhindern wollen. Zwischen Montag und Donnerstag wurden drei Milliarden Euro von den griechischen Konten abgeholt, berichtet Reuters mit Bezug auf „leitende Banker“.

Es liegt nahe zu vermuten, dass die anonymen „EU-Beamten“ auf diese Weise Athens Verhandlungsposition zu schwächen versuchen. Am Montag  steht abermals ein EU-Gipfel zu Griechenland an. Der Zentralbankchef des Landes,  Jannis Stournaras, versicherte am Freitag, das griechische Banksystem sei stabil. Die EZB erhöhte   den Rahmen für ELA-Notfallkredite nochmals um rund drei Milliarden Euro.