Bürohaus in London.
Foto:  dpa 

LondonDie britische Regierung hat offenbar vor, die Wirtschaft schrittweise wieder aus den Corona-Beschränkungen zu entlassen.  Das Wirtschaftsministerium ist nach einem Bericht der Financial Times dabei, mit Gewerkschaftern und Unternehmensvertretern  einen Öffnungsplan zu erarbeiten. Nächste Woche soll er demnach präsentiert werden. Es ist ein erstaunlich detaillierter Plan. Und für Angestellte mit Bürojobs wird es hart. 

Denn von ihnen wird erwartet, so der Bericht, noch mehrere Monate zu Hause zu arbeiten, nicht zuletzt, um zu verhindern, dass der öffentliche Verkehr überfordert wird. „Wenn Sie in einem Büro arbeiten, gibt es wahrscheinlich die Aufforderung, weiter von zu Hause zu arbeiten “, wird eine Person zitiert, die an der Planung beteiligt war. Und selbst wenn in Büros wieder gearbeitet werden darf, empfiehlt der Plan  rote und blaue  Teams - die sich wöchentlich im Büro abwechseln. Die Minister zögern jedoch, alle Büros gewaltsam zu schließen, da die Gefahr bestehe, dass es vermehrt zu häuslicher Gewalt kommt.

Der Plan gliedert sich in verschiedene Branchen. Zu den Unternehmen, die schnell wieder an den Start gehen sollen, gehören die Non-Food-Einzelhändler, Fabriken und Lagerhäuser. Weitere Empfehlungen: breitere Gehwege auf Baustellen und den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung in Fabriken. Kantinen bleiben geschlossen, es sei denn, dort können die Abstandsregeln eingehalten werden.

Die Regierung wird vorschlagen, dass die Arbeitspausen den ganzen Tag über gestaffelt sind, um zu vermeiden, dass sich Menschen in größeren Gruppen versammeln. Aus Sicht der Wirtschafts- und Gewerkschaftsbosse ist das eines der größten Probleme. Fabriken, Büros und Geschäfte werden aufgefordert, Desinfektionsmittelspender aufzustellen, um sicherzustellen, dass die Menschen ihre Hände sauber halten. Und es wird die Empfehlung geben, Schutzmasken zu tragen. Von den Non-Food-Läden wird erwartet, dass dort wie in Supermärkten auf Abstand geachtet wird.

Zu der Ideensammlung gehört auch, wo es geht mehr Parkplätze anzubieten, damit die Menschen mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren können und nicht Fahrgemeinschaften bilden. 

Auch Pubs und Restaurants sollen bald wieder aufmachen können.  Allerdings sind dort die ungelösten Probleme am größten. Die Wirte wurden gebeten, vier Abstandsszenarien auf ihre Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Der Eigentümer einer großen Londoner Restaurantgruppe sagte, es sei unmöglich, Restaurants nach den aktuellen Richtlinien zu betreiben. Ein  Abstand  von zwei Metern um Tische mache es den Mitarbeitern unmöglich, die Gäste zu bedienen. Außerdem läge die Kapazität dann nur bei 30 Prozent. 

Fast-Food-Ketten wie Burger King und KFC, die in der vergangenen Woche eine Reihe von Standorten für die Lieferung wiedereröffneten, haben an den Kassen Zwei-Meter-Räume auf dem Boden abgegrenzt, um die Kunden voneinander zu trennen. Das Personal wurde auch in den Küchen weiter verteilt, was die Restaurants dazu zwang, die Menü-Auswahl zu begrenzen.

Ein Londoner Barbesitzer sagte, er erwäge Plastikkabinen, um Gruppen zu trennen. Soziale Distanzierung sei aber an Eingängen, Ausgängen und in den Toiletten unmöglich. „Es ist nicht wie in einem Supermarktgang, in dem man Einwegsysteme einrichten kann“, sagte er. Die Kinoketten Cineworld und Vue programmieren beide ihre Online-Buchungssysteme neu, um nur gestaffelte Sitzplätze zuzulassen. Und sie werden weniger Filme gleichzeitig zeigen.