Ein "Geschlossen"-Schild hängt im Eingang zu einer Buchhandlung. Die Corona-Krise hat die Welt weiter fest im Griff.
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BerlinMehrere Großkonzerne haben im Zuge der Corona-Krise entschieden, vorerst keine Miete mehr für Geschäftsfilialen zu zahlen, die wegen der Coronavirus-Krise derzeit geschlossen haben. „Es ist richtig, dass Adidas, wie viele andere Unternehmen auch, vorsorglich Mietzahlungen temporär aussetzt, wo unsere Läden geschlossen sind. Wir sind dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch“, bestätigte eine Firmensprecherin des milliardenschweren Konzerns Adidas.

Adidas hatte zuletzt bei Umsatz und Gewinn ein Rekordjahr abgeschlossen. Seine selbst geführten Einzelhandelsläden in Europa und Nordamerika musste Adidas beginnend von Januar an sukzessive wegen der Krise schließen. In Asien und Lateinamerika waren die Läden zunächst weitergelaufen. In Lateinamerika sind die Geschäfte genauso wie in Teilen Asiens inzwischen ebenfalls geschlossen.

Unvermeidliche und präventive Maßnahmen?

Auch die schwedische Modekette H&M sowie Europas größter Schuhhändler Deichmann kündigten eine ähnliche Vorgehensweise an. „Angesichts der aktuellen Situation ist eine kurzfristige aber auch mittelfristige Auswirkung auf unser Geschäft unvermeidlich“, wird eine H&M-Sprecherin bei tagesschau.de zitiert. Ein Vertreter der Firma Deichmann sprach gegenüber der dpa von einer „präventiven Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten“.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) äußerte sich am Samstag empört über den Stopp von Mietzahlungen großer Firmen. „Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel“, sagte sie am Samstag in Berlin. Die Corona-Hilfsgesetze böten dafür keine Grundlage.

Es gelte weiterhin: „Mieter müssen selbstverständlich ihre Miete zahlen. Falls sie tatsächlich infolge der Krise in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann ihnen lediglich für einen begrenzten Zeitraum nicht gekündigt werden". Gerichte könnten zudem überprüfen, ob die Voraussetzungen hierfür vorliegen, fügte Lambrecht hinzu.

„Rechtlich und moralisch bedenklich“

Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft (ZIA) nannte das Vorgehen der großen Firmen „rechtlich und moralisch bedenklich“. Auch der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) übte Kritik. Die Filialisten seien wirtschaftlich gesund. Das „einseitige Vorpreschen“ sei daher „wenig partnerschaftlich“.  

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) äußerte sich ebenfalls „sehr enttäuscht“ über den Sportartikelhersteller Adidas. Die Ankündigung des Unternehmens, die Mietzahlungen vorerst einzustellen, sei „eine völlig inakzeptable Botschaft“, sagte Scheuer der Bild-Zeitung. Adidas habe große Gewinne gemacht. „Es sind ja nicht nur die großen Immobilieneinrichtungen, sondern auch kleine, die als Privatpersonen an Adidas vermieten - und die bleiben dann auf ihren Kosten sitzen.“

Der CSU-Politiker kritisierte das Vorgehen des Konzerns als unsolidarisch. „Das Signal ist nicht das Unterhaken, das man von jedem Bürger verlangt“, sagte Scheuer. „Wir geben die Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger: 'Seid vernünftig!' Da müssen große Konzerne aber auch vernünftig sein.“