Der Großmarkt lockt viele Ladenbesitzer an.
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Berlin Wenn man mit der Ringbahn auf der nördlichen Route unterwegs ist, kann man ihn sehen, auch als Autofahrer von der Beusselstraße aus – den Berliner Großmarkt. Seit den 60er-Jahren versorgen sich auf dem 320.000 Quadratmeter großen Areal am Westhafen Ladenbesitzer und Gastronomen mit frischem Obst und Gemüse, mit Fleisch und Fisch. Obwohl es dort auch Blumenläden mit einer Gesamtfläche von fast zwei Fußballfeldern gibt, gilt der Großmarkt in Moabit als der „Bauch Berlins“.

Bereits zwei Stunden nach Mitternacht beginnt dort in der Halle des Fruchthofs das Geschäft. Danach folgen im Zwei-Stunden-Takt der Blumenmarkt, die Fleisch- und die Fischgeschäfte. Rund 300 Großhandelsfirmen sind auf dem Markt tätig und beschäftigen etwa 2500 Menschen. Was auf dem Großmarkt jährlich umgeschlagen wird, bringt zusammen fast 600.000 Tonnen auf die Waage. Der Jahresumsatz wird mit einer Milliarde Euro beziffert. Ein Supermarkt in XXL.

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Ursprung am Alexanderplatz

Der Ursprung des Berliner Großmarkts liegt indes ganz woanders: am Alexanderplatz. In den 80er- und 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts ließ der Magistrat von Berlin im Rahmen eines kommunalen Bauprogramms elf Markthallen in der Stadt errichten. Für diese wurde in der Folge der Berliner Großmarkt als Betreibergesellschaft installiert. Ihren Sitz hatte die Gesellschaft in der „Zentralen Markthalle“ am Alexanderplatz, die 1886 als erste kommunale Berliner Markthalle im nordwestlichen Eck zwischen der heutigen Karl-Liebknecht-Straße und S-Bahn-Trasse eröffnet wurde.

Nachdem die Markthalle am Alexanderplatz im Krieg zerstört und nur zum Teil wieder aufgebaut wurde, zog die Verwaltungsgesellschaft 1949 nach Mariendorf um und wurde dort 1960 in die Berliner Großmarkt GmbH umfirmiert. Fünf Jahre später folgte der Umzug in neu gebaute Hallen an der Beusselstraße. Dort wurde der neue Berliner Großmarkt am 20. März 1965 eröffnet. Nach wie vor ist der Berliner Großmarkt ein landeseigenes Unternehmen.

Effizienz als Ziel für den Großmarkt

Hauptmieter auf dem Gelände ist der Fruchthof Berlin, eine bereits 1949 gegründete Genossenschaft von Händlern, die an der Beusselstraße gut ein Drittel des Warenumschlags bestreitet und sich durchaus als Macht auf dem Markt versteht. Im Sommer 2017 initiierten die Fruchthofler jedenfalls die „Interessengemeinschaft Lebensmittel- und Frischecluster Berlin“.

Deren Ziel war es, den Berliner Großmarkt in eigene Regie zu nehmen und effizienter zu organisieren. Dafür sollte mit dem Senat ein Erbpachtvertrag abgeschlossen werden. Neue Straßen, Investitionen in Hallen und handwerkliche Lebensmittelproduktion waren geplant. Im März 2018 lehnte der Senat das Ansinnen jedoch ab. In jenem Jahr erwirtschaftete der Großmarkt einen Gewinn von 3,1 Millionen Euro.