Nach Berlin führen jetzt auch Hamburg und Nordrhein-Westfalen die Mietpreisbremse ein. In Hamburg dürfen bei Neuvermietungen vom 1. Juli an die Mieten grundsätzlich nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen – gegebenenfalls sollen einzelne Stadtteile ausgenommen werden. Auch das Düsseldorfer Landeskabinett beschloss am Dienstag eine entsprechende Verordnung für 20 Kommunen des Landes, vor allem entlang der Rheinschiene und große Universitätsstädte, darunter Düsseldorf, Köln, Aachen, Bielefeld, Bonn, Leverkusen, Münster und Paderborn.

Andere Bundesländer starten später oder lehnen sie ab. Somit könnte die Mietpreisbremse nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Dabei ist das Wohnen in deutschen Großstädten rasant teurer geworden, zeigt eine Studie der DZ Bank, die in der FAZ veröffentlicht wurde. In den vergangenen fünf Jahren ging es mit den Mieten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart im Schnitt um 25 Prozent aufwärts. Auch sind die Preise für Eigentumswohnungen in diesen Kommunen um über 40 Prozent gestiegen.

Warum sind die Mieten so hoch? „Treibende Kraft ist das vielerorts knappe Wohnungsangebot“, sagte Thorsten Lange, DZ-Bank-Analyst für Immobilienmärkte, der FAZ. In gefragten Städten habe der Neubau lange Zeit nicht mit der wachsenden Bevölkerung Schritt gehalten. Für Wohnungen in beliebten Stadtlagen müssten deswegen nicht selten 20 Euro oder mehr je Quadratmeter für Miete und Nebenkosten aufgebracht werden.

Viele Familien könnten sich das Wohnen in der Stadt deshalb kaum noch leisten. Der Kreis der Betroffenen sei zudem in Städten besonders groß, weil viele Haushalte hier zur Miete wohnen: In Stuttgart seien es rund 65 Prozent, in Berlin gut 80 Prozent. Seit Anfang 2010 am stärksten gestiegen sind laut Studie die durchschnittlichen Mieten in Berlin (plus 32 Prozent), gefolgt von Frankfurt (26 Prozent) sowie Düsseldorf und München (jeweils 23 Prozent).

Mehrere Gründe für die höheren Wohnkosten

Die wachsende Stadtbevölkerung ist laut DZ Bank der zentrale Grund für den Mietpreisanstieg. Analyst Thorsten Lange verweist darüber hinaus auf die steigende zweite Miete, nämlich die Nebenkosten. So hätten sich die Ausgaben für Heizung und Strom seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Auch gestiegene Ansprüche wie der Wunsch nach größeren Wohnungen trieben die Kosten in die Höhe. Besonders teuer geworden sind begehrte Innenstadtlagen in den wachsenden Metropolen.

Auch der Staat habe zu höheren Wohnkosten beigetragen, heißt es in der Studie. Steuererhöhungen verteuerten den Bau und Kauf von Immobilien zusätzlich, zugleich seien Grundstücke teurer geworden. Größter Posten sei allerdings die rechtlich fragwürdige Grundsteuer. Schlechtere Abschreibungsmöglichkeiten und verschärfte Bauvorschriften wirkten sich zudem negativ aus.

Trotz allem seien steigende Mieten und Immobilienpreise aber ein normaler Trend und weltweit in wachsenden Städten anzutreffen, lautet das Fazit der Studie. Im Vergleich zu ausländischen Metropolen fielen hiesige Großstadtmieten sogar eher niedrig aus, außerdem hinkten die Mieten hierzulande über 20 Jahre hinweg der allgemeinen Preisentwicklung hinterher.

Die DZ Bank bezeichnete steigende Mieten als „an sich nichts Schlechtes“, machten sie doch den Wohnungsbau attraktiv und dämpften dadurch letztlich den Preisanstieg. An der Verdrängung einkommensschwacher Mieter wird das kurzfristig aber nichts ändern. (gs)