Auch die Cafés sollen vom "Urban Coffee Club" profitieren - durch mehr Kundschaft.
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"Wir haben uns übernommen.“ Solche Worte hört man von einem Unternehmer nicht häufig. Doch der Berliner Hans Stier geht mit seiner Firmengeschichte offen um. Er ist Gründer von Bonaverde, dem Start-up, das eine Maschine entwickelt hat, die Kaffeebohnen nicht nur mahlt, sondern auch röstet. Die Idee des Start-ups war außerdem, Kaffeebauern und Konsumenten enger zusammenzubringen. Die Kaffeemaschinenbesitzer konnten mit der zugehörigen App ihren Kaffee direkt beim Kaffeebauern bestellen und auch mehr über das Anbaugebiet erfahren. Theoretisch.

Bonaverde wollte zu schnell zu groß werden

Das Ganze wurde zwar bereits 2013 entwickelt und durch eine riesige Crowdfunding-Kampagne finanziert, in der von Kleinanlegern gut zwei Millionen Euro zusammenkamen. Doch bis heute konnten nicht alle vorfinanzierten Maschinen ausgeliefert werden. In Zahlen: Von 20.000 Geräten seien zum jetzigen Zeitpunkt gerade einmal 5.000 Stück ausgeliefert worden. „Die funktionieren einwandfrei“, sagt Stier. Und auch das Geschäft in Deutschland laufe ohne Probleme. In einigen anderen Ländern hapert es hingegen noch immer am Vertrieb. Das Start-up wollte zu schnell zu groß werden und bot die Maschinen weltweit an. Letztlich ein zu großes Vorhaben, wie der Gründer feststellen musste.

Hinter dem Urban Coffee Club steckt ein Abomodell für Kaffee

Bevor Stier sein Geschäft komplett auf gesunde Beine gestellt hat, startet er nun aber schon ein weiteres Projekt. Mit dem „Urban Coffee Club“ gibt es seit Neuestem eine Ausgründung von Bonaverde. Hinter dem Urban Coffee Club steckt ein Abomodell für Kaffee. Nutzer können über die App ein Paket buchen und beispielsweise für 9,99 Euro die Woche in teilnehmenden Cafés so viel Kaffee trinken, wie sie wollen. Dafür kooperiert Urban Coffee Club mit knapp hundert Cafés, aber auch Friseursalons oder Restaurants in Berlin, die den Kunden nach Vorzeigen der App kostenlos Kaffee aufbrühen.

Gründer von Bonaverde, Hans Stier, hat mit seinem Unternehmen schon einige Rückschläge erlebt. Mit dem "Urban Coffee Club" startet er einen Neuanfang.
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Den Kaffee stellt Bonaverde zur Verfügung, so hätten die sogenannten Coffee Corner keine Mehrkosten und trotzdem tendenziell mehr Kundschaft, die neben dem Kaffee auch einen Kuchen kauft, erklärt Stier. Der frühere Gedanke von Bonaverde soll so mit dem neuen Konzept fortgeführt werden. Fairen Kaffee vertreiben, direkt vom Kaffeebauern an den Endkunden.

Stier ist optimistisch, dass sein Konzept trägt. Bekannte Investoren wie zum Beispiel Finn Hänsel haben Geld gegeben. Nach wenigen Tagen zählte Urban Coffee Club nach eigenen Angaben 300 000 Downloads der App und 2 000 aktive Nutzer. Ob er trotzdem Angst vor einem erneuten Tiefschlag hat? „Ja klar, und der wird auch kommen“, sagt Stier. „Erst einmal sehen wir aber, dass es funktioniert.“ Zudem wolle man alte Fehler nicht wiederholen und erst einmal langsam wachsen. Aktuell gibt es Kooperationen mit Coffee Cornern nur in Berlin-Mitte.

Und bei Bonaverde ist das Start-up mittlerweile auf ein Lizenzmodell umgestiegen, um so den Endkundenvertrieb der Kaffeemaschinen auszulagern. „So haben wir weniger Risiko. Mit unserem bisherigen Modell haben wir uns schlicht übernommen.“

*In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass auch Michael Brehm zu den Investoren zählt. Das ist falsch. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.