Etwa alle 14 Stunden wird in Berlin ein Start-up gegründet. So genannte Company Builder helfen dabei.
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BerlinEtwa alle 14 Stunden wird in Berlin ein Start-up gegründet. Die Hauptstadt ist damit Spitzenreiter in Deutschland. Gleichzeitig ist hier aber auch die Anzahl der Geschäftsaufgaben am höchsten – wo viel gegründet wird, kann auch viel scheitern. Allein auf Start-ups im Finanzdienstleistungsbereich bezogen, mussten zwischen 2011 und Mitte 2019 nach einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC 74 Berliner Start-ups ihr gerade erst gegründetes Unternehmen wieder einstellen. Insgesamt spricht man im Start-up-Bereich von einer Quote von 1 zu 10. Heißt: Von zehn Gründungen ist am Ende nur eine nachhaltig erfolgreich.

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Eine hohe Anzahl an Gründungen weisen auch sogenannte Company Builder auf. Das sind Unternehmen, die sich auf die Gründung von Start-ups spezialisiert haben und jährlich gleich mehrere Unternehmen unter dem eigenen Dach hervorbringen. Gleichzeitig wollen sie die Quote an Geschäftsaufgaben minimieren. Und das quasi durch eine Industrialisierung der Prozesse, Gründungen am Fließband sozusagen.

Bekannter Company Builder in Berlin ist beispielsweise Rocket Internet mit über 100 Unternehmensgründungen seit 2007, darunter die börsennotierten Unternehmen Zalando oder Hello Fresh. Ein anderer Marktteilnehmer ist Finleap, der sich auf Gründungen von Finanz-Start-ups, sogenannten Fintechs spezialisiert hat.

Grafik: Berliner Zeitung/ Sabine Hecher

„Wir geben eine gewisse Hilfestellung, bis aus einer Idee ein Unternehmen entsteht“, erklärt Florian Resatsch, er ist seit Jahresbeginn Chef der Ideenschmiede bei Finleap, im Start-up-Deutsch „Chief Build Officer“. Insgesamt 17 Start-ups wurde mithilfe von Finleap seit Gründung im Dezember 2014 zur Marktreife verholfen. Zum Portfolio gehören beispielsweise die Solarisbank, ein Fintech mit eigener Banklizenz, das Finanzprodukte baut oder Clark, ein digitaler Versicherungsmakler.

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„Wir haben die ganze Infrastruktur, wir haben Büros, Kontakte zu Investoren, schieben die Anfangsfinanzierung an“, sagt Resatsch. Auch um Marketing und Buchhaltung müssen die jungen Unternehmen sich nicht selber kümmern, wenn sie nicht wollen. „Stellen Sie sich vor, sie müssen als Einzelgründer erst einmal hundert Leute anrufen, um ihnen von ihrer Idee zu erzählen und Investoren zu finden“, sagt Resatsch. „Bei uns im Haus müssen sie häufig nur ein Stockwerk tiefer gehen und finden passende Ansprechpartner.“ Der Vorteil sei, dass man an Tag eins nicht von null anfängt, heißt es bei Rocket Internet. Man könne Technologien, Mitarbeiter und Rahmenverträge nutzen, um das Unternehmen voranzubringen. „Gerade in stark regulierten Märkten wie der Finanzbranche können Start-ups von den Angeboten der Company Builder profitieren“, sagt Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner. So hätten Einzelgründer am Anfang oft gar nicht die Mittel sich teure Beratungsunternehmen leisten zu können. „Die sind aber in Märkten mit strengen Regularien und Gesetzen in der Regel unabdingbar.“

Von der Idee zur Marktreife in Rekordzeit

Auch soll beim Company Building alles schneller gehen. Von der Idee zur Marktreife in Rekordzeit. Gerade bei Start-ups gehe es darum schnell zu sein, zum einen, damit einem niemand mit einer Idee zuvorkommt und gerade bei technischen Innovationen, dass diese nach einer langen Entwicklungszeit nicht schon wieder überholt sind.

Es gehört aber auch dazu, dass im Bereich des Company Buildings viele Start-up-Ideen schneller verworfen werden als anderswo. „Wenn wir direkt im Anfangsprozess merken, dass eine Idee nicht funktioniert, wird sie auch nicht weiterverfolgt“, sagt Resatsch. Von 50 Ideen werden am Ende manches Mal nur zwei verwirklicht. Was nach wenig Gründergeist klingt, sei aber ein völlig normaler Prozess, betont er. Dort wo Einzelgründer für ihren Traum von Gründung bis zum letzten Penny kämpfen, herrscht hier eher Rationalität. Profitabilität geht vor. „Ich denke durch die Industrialisierung des Prozesses lässt sich das Scheitern ein Stück weit aushebeln“, sagt Resatsch.

Von den Fintechs, die bis zur Marktreife weiterverfolgt worden sind, sei noch keines im späteren Verlauf aufgegeben worden. Von den 17 Gründungen hat Finleap fünf Start-ups verkauft, ein Unternehmen ist integriert worden in eine andere Firma und zwei Start-ups sind außerdem zu einem Unternehmen zusammengezogen worden. Zehn Fintechs gehören noch immer zum Company Builder.

Doch ist es wie fast überall ein Geben und Nehmen. Für die Unterstützung bekommt der Company Builder Anteile des jeweiligen Unternehmens. „Natürlich besteht da auch eine gewisse Abhängigkeit“, sagt Franzke von Berlin Partner. „Letzten Endes sind aber beide Seiten daran interessiert, dass das Unternehmen Erfolg hat.“