Tesla-Chef Elon Musk ist auch Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX.
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BerlinDer US-amerikanische Visionär Elon Musk beschäftigt seit Tagen Berlin und Brandenburg. Er ist nicht nur Mitbegründer von Internetfirmen wie Paypal und Chef des 2002 gegründeten privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, das irgendwann Menschen zum Mars bringen will. Nun will sein Elektroauto-Unternehmen Tesla im brandenburgischen Grünheide im großen Stil E-Autos, Antriebsstränge und Batterien bauen.

„Das bringt Wind rein, das hilft uns, innovativer zu werden.

Dietmar Harhoff, Innovationsexperte

In Berlin wiederum soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum entstehen. Doch was bedeutet die Ankündigung Elon Musks für die Region, abgesehen von der Debatte um Arbeitsplätze? Teslas sogenannte Gigafactory 4 könnte den generellen Wandel der deutschen Autoindustrie in Richtung Elektromobilität unterstützen, sagt der Innovationsexperte Dietmar Harhoff.

Brandenburg als führendes Innovationsland

„Das bringt Wind rein, das hilft uns, innovativer zu werden“, erklärte der Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb. Wie der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber jüngst der Berliner Zeitung sagte, könnte Brandenburg mit seiner Nähe zu Berlin „ein führendes Innovationsland für Nachhaltigkeit in Deutschland werden“.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verwies bereits auf verfügbaren Ökostrom des Landes, der Tesla neben anderen Dingen bewegt habe, sich für Brandenburg zu entscheiden. Mit der Ansiedlung der Tesla-Gigafactory würde Berlin-Brandenburg zu einem Zentrum für die Verkehrswende in Europa werden, meint Jan Hinrich Glahr, Landesvorsitzender Berlin-Brandenburg des Bundesverbandes WindEnergie (BWE).

Tesla-Fabrik könnte bis zu 7000 Stellen haben

„Die Tesla-Gigafactory zeigt: Wir brauchen den Windstrom, der hier bei uns in Brandenburg erzeugt wird“, sagt Glahr. „Die Landesregierung darf den Ausbau der Windenergie daher nicht weiter bremsen.“ Von der Größenordnung her wäre Teslas Gigafactory 4 ein guter Motor für die Transformation, die mit dem Ende des Kohlezeitalters in der Region in Gang kommen soll.

Zum Vergleich: In der Lausitzer Braunkohle sind derzeit etwa 8000 Menschen beschäftigt. Die geplante Tesla-Fabrik in Grünheide könnte am Ende bis zu 7000 Stellen haben. Und ein industrieller Ersatz für die Braunkohleindustrie wird bereits seit langem gesucht. Auch besäße das Land mit dem Lausitzring eine ideale Teststrecke für E-Fahrzeuge von Tesla.

TU Berlin besitzt „weitreichende Expertise“

Mit Teslas Werk und Entwicklungszentrum könnte Berlin seine Rolle als Technologie-Standort ausbauen. Unter anderem bei der Batterieforschung. Die Technische Universität (TU) Berlin besitze hier „eine weitreichende Expertise, von der Material-, Elektroden- und Zellherstellung bis hin zum Recycling“, teilte die TU am Donnerstag mit. Sie sei Partnerin des deutschlandweiten Kompetenznetzwerkes Lithium-Ionen-Batterien (Klib).

Die Forschung könnte befeuert werden vom Engagement Elon Musks in der Region. Denn Tesla ist führend bei der Entwicklung leistungsfähiger Batterien. Erst im September beschrieb eine von Tesla unterstützte Forschergruppe an der Dalhousie University im kanadischen Halifax die Entwicklung einer Lithium-Ionen-Batterie, mit der ein E-Auto mehr als 1,6 Millionen Kilometer – etwa 40 Mal um die Erde – fahren und rund 4000 Ladezyklen überstehen könne.

Neueste Technologien nicht nur für Autos

Eingesetzt werden könnte sie in „Robotaxis“ und Langstrecken-E-Lastern, wie sie Tesla entwickelt. Wenn der Produktions- und Forschungsstandort erst einmal gebaut und entwickelt ist, wäre sicher vieles denkbar. Denn neueste Technologien werden nicht nur für Autos gebraucht.

In seinen beiden US-Gigafactorys in Nevada und New York entwickelt Tesla etwa auch Akkus für stationäre Stromspeicher – etwa auf Häusern – sowie  Solarziegel und Photovoltaik-Module. Die Region Berlin-Brandenburg könnte davon profitieren.