Handelsbeschränkungen: Online-Händler klagen über Nachteile

Berlin - Der Online-Händler Amazon plant angeblich die Eröffnung eines Ladengeschäfts in New York. Nach einem Bericht des Wall Street Journals soll das Geschäft in unmittelbarer Nähe des Empire State Buildings vor allem als Abholstation für online bestellte Waren, zur Rücknahme nicht erwünschter Artikel sowie als Demo-Shop für Kindle-Tablets und andere Technikprodukte von Amazon dienen. Ähnliche Niederlassungen sind dem Bericht zufolge in weiteren US-Städten geplant. Während Amazon also offenbar den stationären Handel für sich entdeckt, klagen hiesige Online-Händler über Benachteiligungen gegenüber dem traditionellen Ladenvertrieb. Einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Online-Handel zufolge sieht sich dadurch jeder zwölfte Online-Händler in Deutschland in seiner Existenz bedroht, jeder siebte musste schon Mitarbeiter wegen der Handelsbeschränkungen entlassen. Worum geht es im Einzelnen?

Wie wird der Online-Handel benachteiligt?

In der Regel  untersagt ein Hersteller den Händlern pauschal, seine Erzeugnisse über Online-Marktplätze wie Amazon oder über Ebay anzubieten. In acht von zehn Fällen sind es solche Verbote, mit denen Firmen den Onlinehandel einschränken. Nicht selten gehen die Vorgaben der Hersteller allerdings noch weiter: Mehr als ein Viertel der Verbote bezieht sich nicht nur auf Amazon und Co. sondern auf den Online-Handel generell: Untersagt ist der Verkauf dann sogar über die eigenen Websites der stationären Händler. Andere Einschränkungen betreffen etwa das Verwenden von Herstellerbildern zur Werbung oder Online-Werbung generell. Oftmals werden auch Rabattsysteme genutzt, um das Online-Geschäft zu beschränken oder ganz auszubooten.

Warum behindern Unternehmen den Online-Vertrieb eigentlich?

Gute Frage, denn eigentlich sollten die Hersteller um jeden weiteren Vertriebskanal froh sein. Warum das nicht immer so ist, lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: Der Luxus-Sanitärarmaturen-Hersteller Dornbracht gewährt 2008 Rabatte für Fachhändler, die eine fachgerechte Montage und Inbetriebnahme der Armaturen gewährleisten. Damit werden Online-Händler, aber auch Billigmärke außen vor außen vor gelassen. Genau das ist das Ziel des Unternehmens: Der Vertrieb der edlen Erzeugnisse soll einen stilistisch und atmosphärisch angemessenem Rahmen erhalten, fachkundige Beratung, Installation und Anwendungshilfen eingeschlossen. Um den Erhalt des Markenwerts, ein entsprechendes Ambiente und hochwertige Beratungsleistungen ging es auch den Sportartikel- und Outdoor-Herstellern Adidas, Asics, Deuter, Lowa und Mammut. Sie unterbanden den Vertrieb über reine Online-Händler, die keine stationären Geschäfte und damit auch keine Beratungskapazitäten vorhielten, und über Marktplätze wie Amazon und Ebay.

Sind die Verbote erlaubt?

Im Grundsatz sind so genannte „selektive Verträge“, in denen Hersteller mit dem Handel bestimmte Voraussetzungen für den Vertrieb vereinbaren, nach EU-Recht durchaus möglich. Allerdings dürfen solche Regelungen nicht dazu führen, dass ganze Vertriebswege pauschal versperrt werden. Der Ausschluss von Amazon und anderen Online-Marktplätzen etwa landete beim Bundeskartellamt, ebenso wie der Fall Dornbracht. Verfahren wurden eröffnet, teils abgeschlossen (Dornbracht), teils eingestellt (Adidas), teils weiter geführt (Asics). Bisher wurden fast immer die Hersteller veranlasst, die Handelsbeschränkungen zu lockern oder ganz aufzuheben. Adidas lenkte – noch während der Fußballweltmeisterschaft - von sich aus ein, so das wenig später die begehrte Nationalelftrikots auch über Amazon zu beziehen waren. Das Verfahren gegen Asics steht kurz vor dem Abschluss, wobei der Sportschuhhersteller vermutlich ebenfalls die Onlinehandels-Beschränkungen wird fallen lassen müssen.

Halten sich die Firmen an die Kartellamtsvorgaben?

Das Kartellamt versichert: Ja. Fortgesetzte Verstöße würden der Behörde in Bonn meist sehr rasch gemeldet, so ein Sprecher. Der Bundesverband Online-Handel behauptet indessen, dass die Behinderungen kleiner Händler, die neben ihrem traditionellen Ladengeschäft auch online Produkte verkaufen, sogar stärker behindert würden als früher. In der Umfrage des Verbands, an der mehr als 500 Händler teilnahmen, gaben 25 Prozent an, die Handelsbeschränkungen hätten sich nach Bekanntgabe von Kartellamtsbeschlüssen noch verschärft. Fast zwei Drittel konnten keinerlei Veränderung feststellen. Nur jeder zehnte Händler berichtete von einer Abnahme der Handelshemmnisse.