Berlin - Das kleine Bonner Unternehmen True Fruits, nach eigenen Angaben Marktführer im deutschen Smoothie-Geschäft, hat schon so manches Mal mit polarisierenden Kampagnen auf sich aufmerksam gemacht. So wurde etwa ein Plakat für den Chiasamen-Saft der Marke mit dem Slogan „Bei Samenstau schütteln“ überschrieben. „Schafft es selten über die Grenze“, lautete der Satz zu einem schwarzen Smoothie. Nun hat das 30-köpfige Unternehmen nachgelegt.

An Edeka lieferte True Fruits ein Sortiment von sechs Sorten, die mit den Namen von Parteien beschriftet sind, die zur Bundestagswahl antreten. Edeka schickte jedoch die Flaschen mit AfD-Aufdruck umgehend zurück und ließ über die Social-Media-Kanäle wissen: „Rechts ist kein Platz bei uns im Regal“. True Fruits konterte via Instagram mit einer abgewandelten Edeka-Werbung und dem Slogan: „Für politische Aufklärung ist bei uns kein Platz im Regal!“

Politische Aufklärung? Für Thomas Roeb, Handelsexperte und Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, ist die Aktion vor allem eine Marketing-Kampagne von True Fruits. Die Reaktion von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler nennt er allerdings ungeschickt. „Natürlich kann ein Händler frei entscheiden, welche Produkte er verkauft und welche nicht“, sagt Roeb. Mit politischen Aussagen wage sich der Handelskonzern allerdings auf dünnes Eis. „Politische Statements sind zwangsläufig problematisch, weil sie von einem großen Teil der Gesellschaft immer anders gesehen werden“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Wahrscheinlich werde Edeka mehr AfD-Anhänger als Kunden verlieren als andererseits AfD-Gegner zu gewinnen. Das sei Psychologie. „Es ist immer leichter gegen etwas zu motivieren als für etwas.“

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Thomas Roeb

lehrt und forscht auf den Gebieten Handelsbetriebslehre und Marketing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. 

In True Fruits sieht Roeb indes den klaren Gewinner. Tatsächlich setzt das 2006 gegründete Unternehmen seit Jahren konsequent auf Provokation und stellte intern auch bereits fest, dass „daraus resultierende hitzige Diskussion förderlich für Markt- und Umsatzwachstum“ seien. Laut Thomas Roeb hätten sie dabei den Vorteil, eine spezielle Zielgruppe zu haben, die für jede Art von Aufmerksamkeit offen sei. Im konkreten Fall habe Edeka mit seiner Reaktion True Fruits sogar noch geholfen, die Kampagne erst groß zu machen. „Edeka hat perfekt als Startrampe funktioniert und für Flughöhe gesorgt“, sagt Thomas Roeb.

Die Wurzeln von True Fruits liegen übrigens eben an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. 2005 begannen dort Inga Koster, Nicolas Lecloux und Marco Knauf als Studenten im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts mit der Herstellung und Entwicklung der Smoothies im Labor. Ein Jahr später gründeten sie das Unternehmen. Eigenen Angaben zufolge liegt der Anteil von True Fruits am deutschen Smoothie-Markt bei gut 60 Prozent.