René Schuster setzt auf Attacke. Der Chef von Telefónica Deutschland spricht sogar von Revolution. O2, die Mobilfunkmarke des Unternehmens, krempelt ihre Tarifstruktur um. Die Gebühren richten sich künftig nach den Datenvolumen und nicht mehr nach den Gesprächsminuten oder der Zahl der verschickten SMS. Kein anderer Anbieter hat sich bislang so weit vorgewagt. Schuster geht davon aus, dass die „Konkurrenten uns folgen werden.“ Der Vorstoß richtet sich vor allem gegen E-Plus.

Der günstigste Tarif kostet vom 1. März an knapp 20 Euro im Monat. Dafür kann der Kunde ein Datenvolumen von 50 Megabyte pro Monat nutzen. Das ist allerdings enorm wenig, das Kontingent kann schon nach dem Anschauen eines längeren Videos auf Youtube ausgeschöpft sein. Dafür kann der Nutzer unbeschränkt in alle deutschen Netze telefonieren und SMS ohne Ende schreiben. Für Gespräche ins Ausland muss aber nach wie vor gezahlt werden.

Die selben Bedingungen gelten auch für alle, die 29,99 Euro zahlen. 

Dieser Tarif  enthält allerdings erstens eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit (maximal 7,2 statt 3,6 Megabit pro Sekunde), und es dürfen 500 Megabyte im Monat heruntergeladen werden - sind die Datenvolumina ausgeschöpft, wird die Bandbreite drastisch gebremst auf 32 Kilobit. Damit funktionieren viele Smartphone-Apps kaum noch.

Vergleichbare Angebote mit einer Flatrate um die 30 Euro gibt es auch von Wettbewerbern. Sie richten sich vor allem an Durchschnittskunden mit Smartphones.

Gänzlich neu sind die beiden O2-Tarife, die auf dem neuen extrem schnellen Technikstandard LTE basieren, und 2000 oder 5000 Megabyte für knapp 40 und 50 Euro bieten. Diese Offerten zielen vor allem darauf ab, dass Kunden die mit viel Geld ausgebaute LTE-Infrastruktur nutzen. Die Telefónica-Tochter hat hier gegenüber E-Plus einen Vorteil, denn sie besitzt erheblich umfänglichere Lizenzen für die neue Technik als der Düsseldorfer Wettbewerber.

Beobachter halten es für möglich, dass E-Plus nun in einem weiteren Schritt die eigenen Preise senkt, um das Manko beim Netz auszugleichen. Der Preiskampf im Mobilfunk geht also weiter, Nutznießer sind die Kunden. O2 ist nach der Zahl der Kunden gerechnet mit rund 21 Millionen der kleinste der vier hiesigen Mobilfunkbetreiber. E-Plus folgt mit 23,4 Millionen.

Aber auch die beiden erheblich größeren Konkurrenten Vodafone und Telekom werden sich nun mit großer Wahrscheinlichkeit bewegen müssen.

Ausgebaute LTE-Netze haben sie jedenfalls schon.