Berlin - Die meisten Deutschen wünschen sich laut Umfragen von ihrem Job vor allem eins: Sicherheit, ein sorgenfreies Leben. Das bleibt für viele jüngere Menschen vorerst ein Traum. Denn unter ihnen hat fast jeder fünfte in Deutschland nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Folge ist nicht nur vermehrte Armut. Zudem verzichten viele Junge gerade in der Familiengründungsphase auf Heirat und Kinder.

Wie viele junge Menschen sind befristet beschäftigt?

19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag, so eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Dabei seien Auszubildende, Praktikanten oder Umschüler bereits herausgerechnet. Klammere man auch die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren aus, in der es viele befristete Ferienjobs geben dürfte, liege die Befristungsquote der 20 bis 34-Jährigen immer noch bei 18,4 Prozent. Damit sei sie etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 Prozent).

Was verdienen befristet Beschäftigte?

Eher wenig, so die Hans-Böckler-Stiftung. Mehr als ein Viertel (26,2 Prozent) der befristet Beschäftigten unter 35 verdiene auch mit einer Vollzeitstelle weniger als 1100 Euro netto im Monat. Ihr Brutto-Stundenverdienst liegt damit auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns (entspricht etwa 1472 Euro brutto oder 1083 Euro netto im Monat). Unter den Jüngeren mit unbefristetem Vertrag haben nur 9,3 Prozent so wenig Geld.

Sind befristet Beschäftigte häufiger arm?

Allerdings. 274.000 oder 15,5 Prozent der befristet Beschäftigten zwischen 20 und 34 Jahren zählen zu den „working poor“, also zu jenen, die arm sind, obwohl sie eine Arbeit haben. Unter den Altersgenossen mit dauerhaftem Vertrag sind es laut Böckler-Stiftung lediglich 7,5 Prozent. Arm ist man nach gängiger wissenschaftlicher Definition, wenn man in einem Haushalt lebt, der weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung hat.

Wie wirkt sich befristete Beschäftigung auf das Familienleben aus?

Wer keine sichere Stelle hat, ist seltener verheiratet und hat weniger Kinder. 27,7 Prozent unter den 20- bis 34-jährigen mit dauerhaftem Arbeitsvertrag sind verheiratet. Bei den befristet Beschäftigten im gleichen Alter leben dagegen nur 17,4 Prozent in einer Ehe, errechnen die Wissenschaftler. Sehr deutlich sei auch der Unterschied bei der Anzahl der Kinder: In 100 Haushalten von befristet Beschäftigten lebten durchschnittlich 29 Kinder. In 100 Haushalten von Altersgenossen mit festem Vertrag gebe es dagegen im Mittel 42 Kinder.

„Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften“, erklärt Böckler-Sozialexperte Eric Seils diese Differenzen. „Und Kinder kosten Geld. Daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben.“