Das Bettenhaus der Charité.
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BerlinDer FDP-Abgeordnete Marcel Luthe wirft der Charité vor, in den vergangenen Jahren auf rund 90 Millionen Euro Umsatz verzichtet zu haben. Denn die medizinisch tätigen Professoren dürfen neben ihrem Gehalt auch noch Behandlungen privat für die eigene Tasche abrechnen. Die Uni-Klinik müsse deshalb Zahlungen aus dem Landeshaushalt bekommen – da habe der Senat für Transparenz zu sorgen.

Wahlleistungen bei stationärer Behandlung, aber auch ambulante Versorgungen von Privatpatienten dürfen in der Regel bis zum 3,5-fachen des Kassen-Satzes abgerechnet werden. Auch von den Professoren, die an der Charité als Chefärzte tätig sind.

Rund die Hälfte der Professoren-Einnahmen fließt an die Charité

Die Summen, die da anfallen, klingen atemberaubend: 37 Professoren teilten sich 2018 knapp 13,5 Millionen Euro. Die höchsten Posten fielen bei Radiologie und Nuklearmedizin an – vier Professoren kamen 2018 auf zusammen knapp fünf Millionen Euro.

Da kann man neidisch werden, allerdings sind diese Zahlen nur die halbe Wahrheit. Denn es sind Brutto-Werte, die doppelt reduziert werden, und sie gelten nur für beamtete Professoren. Zunächst müssen sie das Geld versteuern und große Teile an die Charité abführen – für die Nutzung der Klinik-Einrichtungen und den Einsatz des Personals. Laut Charité fließt rund die Hälfte der Professoren-Einnahmen so an sie. Das erfolgt nach der „Hochschulnebentätigkeitsverordnung“.

Charité stellt jetzt Privat-Rechnungen aus

Je höher die Einnahmen des Arztes, desto höher der Prozentsatz des Gelds, das an die Charité geht. Die genannten Beträge beziehen sich auch nur auf einen mittlerweile kleinen Teil der Chefärzte: Seit Jahren dürfen neu eingestellte Professoren nicht mehr selbst abrechnen, weil sie nicht mehr verbeamtet würden, erklärte die Charité.

Stattdessen stellt jetzt die Klinik die Privat-Rechnungen aus. Von den Einnahmen erhalten die Professoren – es betreffe rund 100 – dann zehn bis 30 Prozent. Das wird mit jedem Chefarzt im Arbeitsvertrag individuell ausgehandelt, offenbar, um mittels der Aufschläge gute Leute gewinnen zu können. Ein Teil der Einnahmen fließt in einen Pool, aus dem Mitarbeiter, die an den abgerechneten Leistungen beteiligt waren, bedient werden.

Charité profitiert von Privatpatienten

Die Zahl der Chefärzte, die selbst Rechnungen stellen dürfen, sinkt, weil die Professoren mit alten Verträgen nach und nach in Pension gehen. Durften 2010 noch 95 Hochschullehrer selbst „liquidieren“ und nahmen damit 36,5 Millionen Euro brutto ein, waren es 2018 die genannten 37 mit fast 13,5 Millionen.

Im Herbst 2018 berichtete der Senat, dass die Ärzte mit den neuen Verträgen seit 2010 rund 150,5 Millionen Euro einnahmen. Davon dürfe die Charité über hundert Millionen Euro erhalten haben. Auch sie profitiert also von den Privatpatienten. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) kann Luthes Vorwurf mangelnder Transparenz nicht nachvollziehen: „Für die Behandlung und Abrechnung von Privatpatienten an Unikliniken gibt es bundesweit klare Regeln, das gilt auch für Berlin.“