Obwohl die Baufirmen aus der Region Berlin-Brandenburg ihre Arbeiten am neuen Flughafen BER schon seit Frühsommer 2012 weitgehend abgeschlossen haben, gibt es immer noch Streit mit dem Auftraggeber: „Viele Firmen haben Probleme, dass ihre Schlussrechnung bezahlt wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Axel Wunschel, am Donnerstag in Berlin, bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Für die betroffenen Unternehmen sei das „sehr, sehr ernst“; die bislang nicht beglichenen Rechnungen könnten auch „existenziell bedrohend“ sein.

Um welche Größenordnungen es dabei geht, ließ Wunschel offen. Auf der Baustelle des Airports seien „in chaotischen Wochen“ vor dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin im Juni Aufträge zum Teil „mündlich erteilt“ worden. „Und jetzt sind wir mit einem Auftraggeber konfrontiert, der sagt, beweisen Sie mal, dass wir den Auftrag erteilt haben“, sagte Wunschel. Das sei schlecht möglich, wenn verantwortliche Personen inzwischen nicht mehr am Flughafen BER arbeiten würden.

Für das kommende Jahr erwartet der Verband nicht, dass der neue Flughafen der Bauwirtschaft Konjunkturimpulse geben werde. Man rechne nicht mit Nachfolge-Aufträgen im Umfeld des Airports, sagte Wunschel. Zusammen mit der kriselnden Euro-Wirtschaft und der geringen Investitionsneigung der beiden Länder sei beim Umsatz der Branche in der Region im kommenden Jahr nur ein Mini-Plus von 0,2 Prozent zu erwarten, sagte Verbandspräsident Marcus Becker. „Es wird ein schwierige Jahr“.

Im zu Ende gehenden Jahr gibt es voraussichtlich ein Umsatz-Minus von mehr als fünf Prozent. Das sei vor allem auf die Witterung im Dezember zurückzuführen, denn vermutlich falle der gesamte Dezember wegen der Kälte anders als im Vorjahr gänzlich als Bau-Monat aus. Zum Ende des dritten Quartals liegt der Umsatz im Bauhauptgewerbe noch leicht über dem Vorjahresniveau.

Deutliche Kritik äußerte der Verband an den Regierungskoalitionen beider Länder. „Die zurückgehende Investitionsbereitschaft der Länder in die Infrastruktur, insbesondere in Brandenburg, betrachten die Unternehmen mit großer Sorge“, so Becker. In Berlin sieht der Verband erheblichen Bedarf im Wohnungsbau und in der Infrastruktur. Angesichts der neuen Prognose, dass die Hauptstadt bis 2030 um rund 250 000 Einwohner wachsen werde, seien nicht nur mehr Wohnungen nötig, „sondern auch mehr Kitas und Schulen und vor allem funktionierende Straßen und öffentliche Verkehrsmittel“, forderte Becker. Die bestehende Verkehrsplanung gehe immer noch von einer konstanten Bevölkerungszahl aus.

Im Wohnungsbau müsse es um mehr bezahlbare Wohnungen für Normalverdiener gehen. Fast 40 Prozent der Berliner Haushalte hätten monatlich nicht mehr als 1 300 Euro zur Verfügung. Zwar würden mehr Baugenehmigungen erteilt, aber die notwendige Zahl von jährlich 10 000 und mehr neuen Wohnungen sei längst nicht erreicht. Becker betonte, aus diesem Grunde könne von einer Blase auf dem Berliner Immobilienmarkt derzeit keine Rede sein.