Hauptversammlung in London: So steht es um die marode Fluggesellschaft Air Berlin

Berlin - Wie geht es weiter bei der maroden Fluggesellschaft Air Berlin? Die Aktionäre von Deutschlands zweitgrößter Airline erhoffen sich Antworten darauf, wenn sie am Mittwoch in London zur Hauptversammlung des Unternehmens zusammenkommen. Die Lage ist dramatisch, eine Pleite oder ein baldiger Notverkauf scheinen möglich. Bei der Hauptversammlung am Mittwoch in London versuchte das Management erst einmal, die Anteilseigner zu beruhigen. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Wie ist es um Air Berlin bestellt?

Das Unternehmen schreibt seit 2008 fast ausnahmslos rote Zahlen und ist hoch verschuldet. Im vergangenen Jahr flog es einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro ein. Das Eigenkapital ist ebenfalls deutlich negativ, es lag Ende 2016 bei fast 1,5 Milliarden Euro. Faktisch wird Air Berlin nur noch durch Finanzspritzen des arabischen Großaktionärs Etihad am Leben erhalten. Die Airline vom Golf besitzt 29,2 Prozent der Air-Berlin-Aktien, scheint aber die Geduld zu verlieren und hat auch selbst eigene Sorgen. Bei Air Berlin sind noch rund 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Wegen Personalmangels mussten in den vergangenen Monaten immer wieder Flüge gestrichen werden, etliche Kunden sind entnervt. Konzernchef Thomas Winkelmann versicherte am Mittwoch, das wenigstens an dieser Stelle die Probleme behoben seien: „Air Berlin ist wieder eine sichere, pünktliche und zuverlässige Fluggesellschaft.“ Das Unternehmen bat die Kunden um Entschuldigung für die umfangreichen Flugausfälle und Verspätungen der vergangenen Monate.

Was teilte das Unternehmen auf der Hauptversammlung mit?

Die zentrale Botschaft war, dass Air Berlin weiterhin seine Rechnungen bezahlten kann und nicht akut vor der Pleite steht. „An unserer Aussage vom April, die Liquidität des Unternehmens ist gesichert, hat sich nichts geändert“, betonte Winkelmann. Das laufende Jahr sei ein Jahr des Übergangs. 2018 wolle das Unternehmen operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Etihad hat zugesagt, Air Berlin bis Herbst kommenden Jahres zu unterstützen.

Warum geht es Air Berlin so schlecht?

Das Unternehmen hat es nie geschafft, sich klar zu positionieren. Es ist nicht klar, ob es sich als Billig-, Ferien- oder Netzwerk-Airline versteht. Die Kosten sind hoch. Zudem schnüren die stark expandierenden Billigflieger Ryanair und Easyjet den Berlinern zunehmend die Luft im Europaverkehr ab.

Welche Perspektiven hat das Unternehmen überhaupt?

Denkbar ist, dass ein neuer Sanierungs-Anlauf unternommen wird, Konkurrent Lufthansa Air Berlin übernimmt oder das Unternehmen in die Insolvenz geht. Air Berlin hat bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen bereits vorgefühlt, ob Bürgschaften möglich sind. Das wird jetzt geprüft, allerdings müsste es dafür ein tragfähiges Sanierungskonzept geben. Eine Bürgschaft wäre grundsätzlich auch bei einer Insolvenz möglich – sofern ein klarer Plan vorliegt, wie ein Neustart gelingen könnte.

Was würde die Lufthansa mit Air Berlin machen?

Die Lufthansa würde Air Berlin mitsamt den verbliebenen 75 Maschinen übernehmen. Bereits jetzt mietet die Kranich-Airline 38 Flugzeuge samt Crews von den Berlinern und setzt sie beim Billig-Ableger Eurowings ein. Air-Berlin-Chef Winkelmann, ein ehemaliger Lufthanseat, hatte den Branchenführer selbst als Retter ins Gespräch gebracht. In diesem Fall dürfte die Lufthansa allerdings darauf bestehen, dass Air-Berlin-Großaktionär Etihad die Altschulden übernimmt. Zuletzt waren Pläne gescheitert, aus der Air-Berlin-Tochter Niki und dem TUI-Ableger Tuifly eine gemeinsame Ferienfluggesellschaft zu formen, an der Etihad knapp die Hälfte der Anteile besessen hätte.

Air Berlin hat seinen Sitz in der deutschen Hauptstadt. Warum findet die Hauptversammlung des Unternehmens in London statt?

Der Konzern ist zwar in Berlin ansässig und wird auch von hier aus gemanagt, ist aber eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht. Ein wichtiges Motiv für die Wahl dieser Konstruktion war ehedem, dass sich auf diese Weise die deutsche Unternehmensmitbestimmung ausschalten lässt, also die Vertretung von Belegschaftsvertretern im Aufsichtsrat. Air Berlin ist seit 2006 an der Böse. Zu ihren besten Zeiten war die Aktie mehr als 20 Euro wert. Inzwischen liegt der Preis bei weniger als einem Euro.