Wenn man mit Brent Hurtig spricht, kann man erahnen, wie er Führungskräfte aus dem Silicon Valley davon überzeugt, dass die Chance ihres Lebens in Berlin liegt. Hurtig hört erst genau zu, dann antwortet er, präzise, gradlinig und vor allem mit einer ansteckenden Begeisterung, vor der auch Top-Manager von Apple bis Yahoo nicht gefeit sind. Sie überzeugt Hurtig immer öfter, wieso sie das Valley verlassen müssen – und nach Berlin aufbrechen.

Hurtig ist Headhunter. Er ist Partner der Firma Parker Remick, die sich auf die Suche von Führungskräften für Technologiefirmen spezialisiert hat. Die Klientenliste liest sich wie ein Index der erfolgreichsten Internetfirmen. Für Amazon, Google, Paypal und Youtube hat Hurtig ebenso schon Top-Manager gesucht wie für bekannte Investmentfirmen wie Sequoia Capital oder Benchmark Capital. Doch inzwischen sucht Hurtig immer öfter für Start-ups aus Berlin.

Die Musikplattform Soundcloud, eines der bekanntesten Berliner Start-ups mit mehr als 250 Millionen Nutzern, gehört genauso dazu wie Auctionata, ein auf Kunst spezialisiertes Internet-Auktionshaus, das neben der Firmenzentrale in Berlin wie Soundcloud bereits über Büros in New York, London und anderen Standorten verfügt. Wenn sie sich an Hurtig wenden, haben sie etwas besonders im Sinn: „Silicon-Valley-DNA“, nennt es Hurtig.

Zwar gebe es in Berlin keinen Mangel an talentierten Entwicklern und Managern, sagt Hurtig. Doch wenn ein Start-up eine gewisse Stufe erreiche, gebe es oft das Gefühl, dass Erfahrungen aus dem Silicon Valley hilfreich sind, um ihrem Angebot den Feinschliff für die internationalen Märkte, vor allem den in den USA , zu geben. „Es geht um Produktsensibilität“, sagt Hurtig. Darum etwa, die Vorlieben der US-Amerikaner für Kreditkarten bei der Bezahlung zu verstehen, aber auch um mikroskopische Feinheiten im Design, die dafür sorgten, dass es auf dem US-Markt ankommt. „Es geht nicht darum, das Produkt zu amerikanisieren – aber es Amerika-kompatibel zu machen.“

Nur ohne Baseballkappe

Um für Hurtigs Auswahl in Frage zu kommen, reicht es allerdings nicht, ein erfolgreicher Silicon-Valley-Manager zu sein. Zwar suchten die Berliner Start-ups erfahrene Führungskräfte, am besten von den führenden Technologiefirmen im Valley. Doch etwas anderes sei noch wichtiger, sagt Hurtig: Dass die Manager auch Start-up-Erfahrung haben. „Gesucht werden Personen, die auch die Ärmel hochkrempeln und einfach Dinge erledigen können.“ Vor allem aber müssten sie die Bereitschaft mitbringen, sich auf Berlin und die hiesige Szene einzulassen. „Die Start-ups hier suchen keine arroganten Amerikaner mit Baseballkappe, die ihnen erklären, wo es lang geht.“ Anders als viele Headhunting-Firmen wird Hurtig für seine Beratung bezahlt, nicht für die Vermittlung. „Auch dafür, auszusieben“, sagt er.

David Hershfield ist einer von denen, der Hurtigs Auswahl überstanden hat. Er hat beim Zahlungsdienst Paypal in Führungspositionen gearbeitet, als dieser zum Zugpferd für das Wachstum von Ebay wurde. Nun ist er in Berlin Produkt-Chef des Online-Auktionshauses Auctionata. Als er in seinem LinkedIn-Profil die neue Position eintrug, meldeten sich viele Kontakte aus dem Valley, und wollten genau wissen, wie es ist. Berlin, sagt er, stößt im Silicon Valley inzwischen auf ein enormes Interesse. Es erinnere, sagt Headhunter Brent Hurtig, an San Francisco zu seinen aufregendsten Zeiten. Eine anziehende Aufbruchsstimmung, die auch im Silicon Valley wahrgenommen wird.