Berlin - Nein, Nein! schwört Gunther Müller, Vorstandssprecher der Vattenfall Europe Wärme AG. Dass die klimaschädliche Braunkohleverbrennung im Heizkraftwerk Rummelsburg drei Jahre früher enden wird als bisher geplant, habe mit den soeben begonnenen Gesprächen der mutmaßlich rot-rot-grünen Koalition nicht das Geringste zu tun. Aber was Müller am Dienstag zu verkünden hatte, passt bestens als Botschaft von Vattenfall an eine Koalition, bei der alle drei Partner als kohlekritisch gelten.

Der Manager nennt es einen „Meilenstein“: Statt 2020, wie zuletzt geplant, werde bereits am 24. Mai 2017 in Rummelsburg „eine Ära zuende gehen. Dann schalten wir die Braunkohlenanlage für immer ab.“ Das verringert den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids um 600.000 Tonnen jährlich. Ohne fossilen Brennstoff wird man zur Wärmeerzeugung aber mittelfristig nicht auskommen. Bereits in der Vergangenheit wurde in Rummelsburg teilweise Erdgas verheizt, ab Mai wird die Lausitzer Braunkohle aus dem 1927 erbauten Kraftwerk verbannt und ganz durch Erdgas ersetzt. Dieses verursacht bei der Verbrennung nur rund halb so viel CO 2 wie Braunkohle. Das Gas bezieht Vattenfall über den Großhandel, es stammt aus Russland, den Niederlanden und Norwegen. Bislang habe es trotz Krisen noch nie Lieferprobleme beim russischen Gas gegeben, berichtete Müller.

Strom und Wärme

Ursprünglich hatte Vattenfall beim Abschluss einer Klimaschutzvereinbarung mit dem Wowereit-Senat 2009 dem damaligen Regierenden Bürgermeister versprochen, die Kohleverbrennung in Rummelsburg bereits 2016 zu beenden. Diese Zusage hielt das Unternehmen nicht ein, weil man wegen sinkender Strompreise und Einnahmen keine großen Investitionen tätigen wollte. Jetzt werden rund 100 Millionen Euro in die Ertüchtigung der vorhandenen Anlagen gesteckt, unter anderem für neue Steuerungstechnik, Armaturen und Leitungen. Turbinen und Dampferzeuger haben schon etliche Jahre auf dem Zähler, sie wurden zu DDR-Zeiten in den Siebziger- und Achtzigerjahren eingebaut, wobei das Kraftwerk auf Kraft-Wärmekopplung (KWK) umgerüstet wurde.

Dabei werden Strom- und Wärme zusammen erzeugt, was den Brennstoff besser ausnutzt als ein Kondensationskraftwerk, das seine Abwärme in die Luft oder in Gewässer ableitet. Die Wärme aus Rummelsburg wurde vor allem für die großen Neubausiedlungen in Marzahn-Hellersdorf oder Lichtenberg benötigt. Heute versorgt die KWK-Anlage rund 300.000 Haushalte im Ostteil Berlins, und zwar künftig im Zusammenspiel mit der geplanten Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) in Marzahn.

Zunächst soll die modernisierte Anlage in Rummelsburg die Grundlast übernehmen. Diese soll dann sukzessive an das hocheffiziente Kraftwerk in Marzahn übergehen, weil die Anlage in Rummelsburg trotz Modernisierung 2025 an ihr Lebenszeitende kommt.