Es ist etwa ein Jahr her, da gelangte Sergiej Rewiakin zu der Erkenntnis, dass es ein Putzproblem in Berlin gibt. Einerseits suchten viele seiner Bekannten eine Reinigungskraft. Andererseits wusste Rewiakin, dass viele Putzkräfte sehr unzufrieden mit ihrer Situation waren. Rewiakins Partnerin forschte nämlich über die Arbeitsbedingungen von Migranten in Berlin – und viele, die schwarz putzen, erzählten von den Problemen, die die Illegalität mit sich brachte.

„Es gab Ärger mit der Bezahlung, einige berichteten sogar von sexuellen Belästigungen,“ sagt Rewiakin. Mit einer Internet-Plattform, so seine Überlegung, könnte man dem durch Transparenz entgegenwirken und die Vermittlung einer Reinigungskraft mit wenigen Klicks ermöglichen.

Keine drei Minuten dauert es heute, über Rewiakins Plattform Cleanagents eine Reinigungskraft zu buchen – auch, wenn sie schon morgen kommen soll. Das Portal vermittelt die Reinigungskräfte zu einem Festpreis: 15 Euro die Stunde kostet eine einmalige Wohnungsreinigung. 15 Prozent Kommission streicht Cleanagents davon für die Vermittlung, Zahlungsabwicklung und Rechnungsstellung ein. Innerhalb eines Monats hatten sich 800 Reinigungskräfte angemeldet. Ein Jahr später ist Rewiakins Plattform in neun Städten in drei Ländern am Markt – und er hat eine Menge Konkurrenten.

In den letzten vier Wochen wurden in Berlin mit Helpling und Book A Tiger gleich zwei neue Vermittlungsplattformen gegründet. Der Grund für die Gründungswelle: Das Start-up Homejoy, das den gleichen Dienst seit 2012 in den USA anbietet, hatte kürzlich 38 Millionen Dollar von dem Risikokapital-Abteilung von Google und anderen Investoren bekommen, um nach Europa zu expandieren. Gerade ist Homejoy in London an den Markt gegangen. Deutschland soll bald folgen.

„Es geht um einen Milliardenmarkt“, sagt Helpling-Mitgründer Benedikt Franke. Zwischen zehn und 15 Prozent der Haushalte in den Industriestaaten beschäftigten Haushaltshilfen, rechnet er vor. Rund vier Millionen Haushalte sollen allein in Deutschland Haushaltshilfen beschäftigen, der Umsatz soll bei zwölf Milliarden Euro liegen. Bislang dominiert auf diesem Markt in Deutschland allerdings die Schwarzarbeit. „Unser Hauptkonkurrent“, sagt Franke.

Es ist ein mächtiger Konkurrent: Denn wer in Deutschland eine Putzkraft beschäftigt, macht das fast immer illegal. 95 Prozent der Haushaltshilfen werden nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft schwarz beschäftigt.

Um erfolgreich zu sein, müssen die neuen Plattformen das ändern. So unterstützen sie die Reinigungskräfte, die sie vermitteln dabei, einen Gewerbeschein und eine Steuernummer zu beantragen und versprechen ihnen, Kunden zu den gewünschten Zeiten in den gewünschten Vierteln zu vermitteln. Zwischen zwölf und 15 Euro kostet die Stunde Reinigung, die die Plattformen vermitteln. 15 bis 20 Prozent streichen die Firmen als Kommission ein.

Die Putzkräfte erhalten so zwischen zehn und zwölf Euro die Stunde – allerdings nur, wenn sie als Kleinunternehmer von der Mehrwertsteuer befreit sind, also nicht in Vollzeit als selbstständige Reinigungskraft arbeiten. Sonst verdient eine Reinigungskraft etwa bei Helpling nach Abzug der Mehrwertsteuer nur noch 8,36 Euro – ein Verdienst, der unter dem Mindestlohn von 9,31 Euro im Westen Deutschlands liegt. Bei Book A Tiger koste die Reinigung dagegen 15 Euro, sodass der effektive Verdienst in jedem Fall über dem Mindestlohn liege, wie Geschäftsführer Ulrich Lewerenz betont.

Anders als angestellte Reinigungskräfte müssen selbstständige Putzkräfte Sozialversicherungen allerdings selbst zahlen. Cleanagents-Chef Rewiakin sagt dazu, dass die meisten Reinigungskräfte nur vorübergehend arbeiten würden. „Viele sind hoch qualifiziert und machen den Job nur während sie deutsch lernen.“

Wettlauf um neue Städte

Rewiakin muss nun zusehen, wie seine neuen Konkurrenten in ungeheurem Tempo selbst in die Städte vorstoßen, in denen sein Dienst noch nicht auf dem Markt ist. Kaum gegründet, ist Helpling schon nach Hamburg, München und Köln expandiert, Frankfurt am Main und vier weitere Städte folgen in der nächsten Woche. Hinter der Firma stehen Investoren, die mit rascher Expansion Erfahrung haben: Rocket Internet, die Berliner Firmenfabrik der Samwer-Brüder, die bereits den Mode-Shop Zalando und mehr als 100 andere Firmen auf den Markt gebracht haben.

Während Cleanagents noch mit einem Fünf-Mann-Team arbeitet, sitzen bei Helpling schon 30 Personen daran, Cleanagents Vorsprung aufzuholen: Allein zehn Personen sind dabei, die Plattform weiterzuentwickeln. Sie ist zentral, sagt Franke. „Im Gegensatz zu klassischen Reinigungsfirmen benötigen wir nicht zig Personen, die manuell die Reinigungskräfte managen. Das ist der Effizienzgewinn durch digitale Technologie, der nun in in der Reinigungsbranche ankommt.“

Auch hinter Book A Tiger stehen erfahrene Investoren: Claude Ritter und Nikita Fahrenholz sind die Mitgründer des Online-Lieferdienstes Lieferheld – eine der erfolgreichsten Berliner Internetfirmen. Als Gesellschaft hinter Book A Tiger steht noch eine gewisse Fitpass Holding GmbH. Als Gesellschaftszweck steht im Handelsregister noch: „Dienstleistung und Vertrieb von Sportangeboten und Vermarktung von Sportanbietern über das Internet.“ Doch das muss nun erstmal warten.