Berlin - Wenn ein Angehöriger stirbt, sind zusätzlich zu der Trauer oft auch finanzielle Herausforderungen zu bewältigen. Denn mit dem Tod fällt in vielen Fällen ein Einkommen weg, das sich meistens nicht ohne Weiteres auf die Schnelle kompensieren lässt. War der oder die Verstorbene sozialversicherungspflichtig beschäftigt, hat der überlebende Ehegatte einen Anspruch auf eine bei der gesetzlichen Rentenversicherung zu beantragende Hinterbliebenenrente. Da man nach dem Tod eines Angehörigen oft nicht den Kopf dafür hat, umständliche Formulare auszufüllen, ist zu empfehlen, sich an eine der Rentenberater der Deutschen Rentenversicherung zu wenden, die – momentan allerdings coronabedingt eingeschränkt – bei der Antragstellung behilflich sind.

Ein Anspruch auf die bei Frauen Witwen- und bei Männern Witwerrente genannte Leistung besteht in der Regel nur dann, wenn die Ehe mindestens ein Jahr bestand und der oder die Verstorbene mindestens sechzig Monate in die Rentenversicherung einbezahlt hat. Ist der Verstorbene bei einem Unfall zu Tode gekommen, gelten die Fristen nicht – in diesem Fall kann aber, zumindest wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt, auch eine Hinterbliebenenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung infrage kommen.

Witwen- und Witwerrenten kommen nur für früher Verheirate infrage

Es gibt eine große und eine kleine Witwen- oder Witwerrente. Die kleine Rente erhalten Witwen und Witwer, die unter 45 Jahre und zehn Monate alt sind, keine Kinder erziehen und nicht erwerbsgemindert sind. Sie ist auf zwei Jahre begrenzt und beträgt 25 Prozent der Rente, die der Verstorbene mutmaßlich erhalten hätte, wenn er bis zum Renteneintrittsalter weiter erwerbstätig gewesen wäre, abzüglich 10,8 Prozent.

Die große Witwen- oder Witwerrente erhalten überlebende Ehegatten, die mindestens 45 Jahre und zehn Monate alt sind oder mindestens ein Kind erziehen oder erwerbsgemindert sind. Sie beträgt bei seit vor 2002 bestehenden Ehen 60, bei später geschlossenen Ehen 55 Prozent der Altersrente, die der Verstorbene als Altersrente erhalten hätte. Stirbt der Mann oder die Frau vor dem 62. Geburtstag, werden von dem sich so ergebenden Betrag ebenfalls gut zehn Prozent abgezogen.

Eigene Einkünfte des überlebenden Ehegatten werden auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet, wenn sie den individuell zu berechnenden Freibetrag überschreiten. Über den Daumen gepeilt beträgt er rund 900 Euro pro Monat. Für jedes Kind erhöht sich der Freibetrag um ca. 190 Euro. Eine Witwe mit zwei Kindern kann ein Nettoeinkommen von etwas über 1280 Euro in den alten Bundesländern, in den neuen etwas darunter  beziehen, ohne dass die Witwenrente geschmälert wird. Verdient sie mehr, wird das übersteigende Einkommen zu vierzig Prozent auf die Rente angerechnet.

Da Altersrenten bekanntermaßen in vielen Fällen nicht sehr üppig ausfallen, ist ein Anteil von 25, 55 oder 60 Prozent, von dem eventuell weitere Beträge abgezogen werden, meist erst recht kein großer Betrag. Die durchschnittlichen monatlichen Zahlbeträge für kleine Witwen- oder Witwerrenten liegen bei ca. 250 Euro. Große Witwenrenten betragen im Durchschnitt knapp 700, große Witwerrenten unter 400 Euro.

Im sogenannten Sterbevierteljahr, das sind die drei auf den Monat des Todes folgenden Monate, erhält der Witwer oder die Witwe die eventuell um bis zu 10,8 Prozent geminderte volle Rente, die der oder die Verstorbene in etwa als Altersrente bekommen hätte. Eigene Einkünfte werden im Sterbevierteljahr nicht auf die Rente angerechnet.

Bei einer Wiederheirat fällt der Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente weg. Auf Antrag bei der Rentenversicherung, der auch formlos gestellt werden kann, erhält der Witwer oder die Witwe eine Rentenabfindung in Höhe von 24 Monatsbeträgen der bisherigen Rente. Bei „kleinen“ Renten beträgt die Abfindung 24 Monatsbeträge abzüglich der bisherigen Zeit, in der die Witwen- oder Witwerrente bezogen wurde.

Welche Ansprüche Kinder nach dem Tod eines Elternteils haben

Kinder haben, wenn sie minderjährig oder noch in Ausbildung, aber noch keine 27 Jahre alt sind, einen Anspruch auf Halbwaisenrente – oder wenn beide Eltern gestorben sind, was zum Glück selten vorkommt, auf eine Vollwaisenrente. Die durchschnittliche Halbwaisenrente beträgt etwa 200 Euro pro Monat, die durchschnittliche Vollwaisenrente ist etwas mehr als doppelt so hoch. Da sich mit einer Halbwaisenrente plus dem Kindergeld das Existenzminimum eines Kindes oft nicht decken lässt, gibt es eine nicht sehr bekannte Leistung mit dem schönen Namen Unterhaltsausfallleistung, die bei den meist bei Jugend- oder Landratsämtern zu findenden Unterhaltsvorschusskassen, beantragt werden muss.

Auf Unterhaltsausfallleistung haben unter Sechsjährige einen Anspruch, wenn ihre Halbwaisenrente unter 174 Euro liegt. Bei Sechs- bis Elfjährigen liegt die Grenze bei 232, bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn bei 309 Euro – es gibt allerdings aufgrund eines faulen Kompromisses während des Gesetzgebungsverfahrens auch Fälle, in denen Zwölf- bis Siebzehnjährige keine Unterhaltsausfallleistung erhalten. Ein zehnjähriges Kind mit einer Halbwaisenrente von zum Beispiel 160 Euro pro Monat hat einen Anspruch auf Unterhaltsausfallleistung in Höhe von 72 Euro (232 minus 160).

Einkommen werden auf Hinterbliebenenrente angerechnet

Ebenfalls kaum bekannt ist die Erziehungsrente, die momentan lediglich etwa 8000 Personen beziehen. Anspruchsberechtigt auf die ebenfalls bei der Rentenversicherung zu beantragende Erziehungsrente sind nicht wiederverheiratete Geschiedene, die mindestens ein Kind aus der geschiedenen Ehe erziehen, wenn der frühere Ehepartner oder die frühere Ehepartnerin gestorben ist. Eigene Einkünfte werden wie bei der Witwen- oder Witwerrente auf die Erziehungsrente angerechnet.

Reicht die Hinterbliebenenrente zuzüglich eventuell weiterer Einkünfte wie zum Beispiel Erwerbseinkommen, eigener Altersrente, Kindergeld oder Unterhaltsausfallleistung nicht aus, um über die Runden zu kommen, besteht eventuell ein Anspruch auf weitere Sozialleistungen. Aber das ist eine andere Geschichte.