Eine Ölförderpumpe bei Hamburg.
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Frankfurt/New YorkWegen der sich massiv verschlechternden Konjunktur-Aussichten ist der Preis für US-Rohöl erstmals unter null Dollar gefallen: Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kostete am Dienstag im Tief 11,59 US-Dollar. Zuletzt lag der Preis bei 15,45 Dollar, das waren immer noch 5,97 Dollar weniger als am Vortag. Am Montag war der Preis für WTI zur Mai-Lieferung in den negativen Bereich gefallen.

Als Auslöser gilt das Zusammentreffen einer stark fallenden Nachfrage wegen der Corona-Krise mit einem enormen Überangebot. Hinzu kommt, dass die Lagerkapazitäten teilweise bereit erschöpft sind. Der Ölpreis befindet sich seit Jahren auf dem Weg nach unten. Viele Käufer hatten gehofft, zu billigen Konditionen eingekauft zu haben - eine Hofnung, die sich bisher für kaum jemanden erfüllt hat außer bei einigen Futures. 

Am Ölmarkt klaffen derzeit Angebot und Nachfrage stark auseinander. Die Corona-Pandemie legt die ohnehin schon in billigem Öl schwimmende US-Wirtschaft lahm - der Bedarf an dem Rohstoff sinkt dadurch kräftig, die Öllager drohen überzulaufen. Sollte nun die US-Ölindustrie mit ihren vielen kleineren Unternehmen noch stärker unter Druck geraten, fürchten Experten eine Pleitewelle, die womöglich auch die Finanzbranche belasten könnte.

Das Hauptproblem ist der Zusammenfall einer globalen Schuldenkrise mit einem Nachfrage-Schock wegen des weltweiten Corona-Shutdowns. Schon vor Corona war allen Marktteilnehmern klar gewesen, dass es sich beim Höhenflug der Aktienkurse um einen Tanz auf dem Vulkan gehandelt hat. Die Asset-Preise stiegen weltweit, weil die Zentralbanken mit niedrigen und Negativ-Zinsen immer neue Liquidität in die Märkte pumpte.

Die tatsächliche Produktion und der Konsum konnten nicht mithalten. Daher war der Ölpreis abgesackt. Zugleich haben die USA den Versuch gestartet, Russland und Saudi-Arabien als Öl-Produzenten zu verdrängen. Doch die aufwändige Schiefergas-Methode (Fracking) gilt seit jeher als wirtschaftlich nicht darstellbar. Russen und Saudis haben sich mit der Opec + vor einigen Tagen zwar auf eine Begrenzung der Fördermenge geeinigt.

Wegen des Corona-Shutdowns wird weltweit mit einer rückläufigen Konjunkturentwicklung gerechnet.

Heftige Verwerfungen am Ölmarkt haben am Dienstag den deutschen Aktienmarkt schwer belastet. Unerwartet deutlich aufgehellte Konjunkturerwartungen halfen nicht. Der Dax weitete am Nachmittag seine Verluste auf 3,22 Prozent aus, beim Stand von 10 331,88 Punkten.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone verlor ähnlich viel wie der Dax. Für den MDax der mittelgroßen deutschen Werte ging es mit minus 1,70 Prozent auf 22 078,96 Punkte nicht ganz so steil bergab.

Im Dax standen die Papiere von SAP im Fokus, weniger mit finalen Quartalszahlen als vielmehr mit einer Personalie. So irritierte Börsianer, dass Jennifer Morgan als Co-Vorstandschefin den Softwarekonzern verlassen und somit Christian Klein der alleinige Chef sein wird, nachdem die beiden als Duo erst vor gut einem halben Jahr angetreten waren. Die Aktien verloren gut drei Prozent.

Der Euro gab etwas nach. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0838 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Montag auf 1,0860 Dollar festgesetzt. Am deutschen Anleihemarkt fiel der Rentenindex Rex um 0,19 Prozent auf 144,69 Punkte.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt aus Deutschland: Die Konjunkturerwartungen des Mannheimer ZEW-Instituts haben sich im April deutlich aufgehellt. Der Indikator stieg wesentlich stärker als von Analysten erwartet.

Der historische Ölpreisabsturz in den USA wirkt sich voraussichtlich nicht an deutschen Zapfsäulen aus. Die betroffene, in den USA relevante Ölsorte WTI ist nach Angaben des ADAC nicht entscheidend für den deutschen Markt. Hierzulande komme es vielmehr auf die Nordseesorte Brent an. Deren Preis liege derzeit oberhalb des Tiefs von Ende März. Auch der Mineralölwirtschaftsverband MWV verwies auf Brent als für Europa entscheidende Sorte. Die aktuellen Preise seien „angemessen“, hieß es beim ADAC laut dpa. Der MWV betonte, die gesunkenen Ölpreise seien an die Verbraucher weitergegeben worden. Der Preis an der Zapfsäule hänge zudem auch von anderen Faktoren als dem Ölpreis ab: Alleine Steuern machten bei Benzin 72 und bei Diesel 60 Prozent aus.

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