Ein Containerhafen in Elizabeth, New Jersey.
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BerlinDie Corona-Krise hat in den USA einen historischen Konjunktursturz ausgelöst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten sogar ein Minus von 34,1 Prozent auf dem Zettel, nach einem Rückgang um 5,0 Prozent im ersten Quartal.

Insbesondere der Konsum, eigentlich eine der tragenden Säulen der Wirtschaft, brach wegen der Kontaktbeschränkungen und Maßnahmen zur sozialen Distanz im Frühjahr ein. Der private Verbrauch verringerte sich um 34,6 Prozent zum ersten Quartal. Auch die Investitionen und das Außenhandelsgeschäft litten massiv unter den Folgen der Pandemie, die angesichts einer hohen Zahl von Neuinfektionen in den USA noch nicht ausgestanden ist.

„Eine so stark konsum- und dienstleistungsorientierte Wirtschaft wie die der USA leidet natürlich besonders unter der Schließung von Geschäften und Restaurants“, sagt Chefökonom Uwe Burkert von der LBBW. Er spricht vom wirtschaftlich „schwersten Rückschlag in der jüngeren US-Geschichte“. Allerdings weise eine ganze Reihe von Konjunkturdaten zumindest auf eine kräftige Erholung im laufenden Quartal hin.

Die US-Notenbank Fed sieht dennoch vorerst keinen Grund, von ihrem Krisenkurs abzuweichen. Sie hat erst jüngst ihre Kreditprogramme erweitert und bis zum Jahresende verlängert. Zugleich appellierte Fed-Chef Jerome Powell an die Politik, weitere Hilfen auf den Weg zu bringen. Im Kongress zeichnet sich ein schwieriges Ringen um ein weiteres Corona-Paket ab, das rund eine Billion Dollar schwer sein soll.

Auch wenn US-Präsident Donald Trump keinen Grund zur Eile sieht, drängt die Zeit. Ende der Woche läuft eine in der Corona-Krise eigens geschaffene bundesstaatliche Aufstockungshilfe zum Arbeitslosengeld aus – und dies vor dem Hintergrund zuletzt ansteigender Erstanträge auf staatliche Arbeitslosenunterstützung. Insgesamt stellten vorige Woche 1,434 Millionen Bürger einen solchen Erstantrag. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 1,45 Millionen gerechnet, nachdem es in der vorangegangenen Woche 1,422 Millionen waren. „Es wird lange dauern, bis die US-Wirtschaft aus dem tiefen Tal der Tränen herauskommt“, sagte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Bernd Krampen von der NordLB sagte, die Beurteilung könnte sogar noch pessimistischer ausfallen, wenn die Parteien keine Einigung für die Ausgabenprogramme der derzeit knapp 30 Millionen Nicht-Beschäftigten erzielen.