Leitende Mitarbeiter der Modekette H&M sollen unerlaubt Daten über ihre Mitarbeiter gesammelt haben.
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NürnbergGeht es den Arbeitgeber etwas an, welche Krankheit ein Beschäftigter hat, ob dessen Beziehung zerbricht oder die Mutter im Krankenhaus ist? Aus juristischer Sicht: Nein. Denn solche Informationen können dann relevant werden, wenn es beispielsweise um die Verlängerung befristeter Verträge geht – obwohl sie dabei eigentlich keine Rolle spielen dürften.

Wie nun bekannt wurde, sollen leitende Mitarbeiter der Modekette H&M entsprechende Daten trotzdem gesammelt haben. Der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, dass in einem Callcenter in Nürnberg eine entsprechende Datensammlung des Managements aufgeflogen sei. Mittlerweile soll die zuständige Hamburger Datenschutzbehörde die zahlreiche Daten sichergestellt haben.

Insgesamt geht es um 66 Gigabyte an Daten, die jüngst im internen Netzwerk von H&M entdeckt wurden. Darunter sind laut BR Informationen, die aus eigentlich privaten oder halb privaten Gesprächen zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten stammten – etwa welcher Mitarbeiter mit wem die Nächte verbringt, Krankheitsverläufe oder auch Spekulationen über Menstruationsprobleme von Mitarbeiterinnen.

Verdi sieht Verstoß gegen Datenschutzregeln

Warum die Informationen gesammelt wurden, ist bislang unklar. In Mitarbeiterkreisen grassieren laut BR die Spekulationen. Die etwa 700 Beschäftigten in dem Callcenter sollen vor allem befristet angestellt sein. Die gesammelten Informationen hätten beispielsweise bei der Entscheidung über eine Weiterbeschäftigung genutzt werden können, mutmaßten Beschäftigte gegenüber dem BR. Die Gewerkschaft Verdi wirft H&M nun einen Verstoß gegen Datenschutzregeln vor.

Für die Modekette ist es nicht das erste Mal, dass der Umgang mit Mitarbeitern für Kritik sorgt. Verdi hatte schon in der Vergangenheit Kampagnen zugunsten von Betriebsräten und gegen die Arbeitsbedingungen bei H&M organisiert. "Das wundert mich nicht", sagte auch eine frühere Betriebsrätin* dem Redaktionsnetzwerk Deutschland angesichts der neuen Vorwürfe.

Sie möchte ihren Namen lieber nicht nennen, auch wenn sie schon lange aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Sie berichtet, dass auch während ihrer aktiven Zeit die Arbeitsbedingungen bei H&M problematisch gewesen seien. Unter anderem sei erkrankten Kollegen bei Krankmeldungen oft ein schlechtes Gewissen gemacht worden.

Auch seien schwer kündbare Beschäftigte häufiger in Mitarbeitergespräche gebeten worden. Dort hätten Vorgesetzte sie mit Aussagen konfrontiert, die sie gegenüber Kollegen gemacht hatten. "Das sollte verunsichern, die Arbeit unangenehm machen", sagt die frühere Betriebsrätin.

H&M will Aufklärung

Im aktuellen Nürnberger Fall betont H&M, dass der Vorfall sehr ernst genommen werde. Der Schutz der persönlichen Daten der Mitarbeiter habe oberste Priorität. Der zuständige Datenschutzbeauftragte sei informiert und der Vorfall "unverzüglich an die Aufsichtsbehörde für Datenschutz in Hamburg gemeldet" worden. Diese prüfe, ob die gespeicherten Daten den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Darüber hinaus stehe H&M mit allen betroffenen Mitarbeitern in Austausch. Die Daten seien gesichert und lägen der Aufsicht vor: "Sie bleiben unangetastet bis zum Abschluss der Prüfung durch die Aufsichtsbehörde." Alle Mitarbeiter, die Einsicht anfordern, erhalten diese laut H&M uneingeschränkt.

*Name der Redaktion bekannt