Berlin - Die Dynamik in der Textilbranche steigt. Der schwedische  Gigant H&M will in diesem Jahr verlorenen Boden gegenüber der Zara-Mutter Inditex wieder gutmachen. Wir erläutern, wie überdies neue Rivalen den Kampf um Marktanteile verschärfen werden.

Wie sehen die Zahlen von H&M aus?

Der schwedische Konzern hat im zurückliegenden Geschäftsjahr (Dezember 2015 bis November 2016) zwar den Umsatz um sieben Prozent auf 223 Milliarden schwedische Kronen (etwa 23
Milliarden Euro) gesteigert. Der Gewinn brach aber um elf Prozent auf umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro ein. Der Vorstand macht dafür den starken Dollar und massive Rabatte verantwortlich.

Warum mussten die Schweden die Preise senken?

Beim Wetter lief es anders als erwartet. Das Frühjahr war im Hauptabsatzmarkt Europa ungewöhnlich kalt. Das drückte seinerzeit die  Nachfrage nach Sommersachen. Und der Sommer war ungewöhnlich lang und heiß: Deshalb ließen die Kunden im Frühherbst die neue Winterbekleidung in den Geschäften links liegen. Um zu verhindern, dass massenweise Hosen, Shirts und Jacken zu Ladenhütern werden, mussten die Manager Sonderangebote machen.

Litten auch andere Textilhändler unter dem Wetter?

Der größere Konkurrent Inditex mit der Hauptmarke Zara schnitt in den ersten neun Monaten deutlich besser ab. Der Gewinn kletterte um neun Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Hauptursache: Die Spanier können schneller als H&M auf Verschiebungen bei der Nachfrage reagieren, weil ein Großteil der Kollektionen in Europa gefertigt wird – die Ware kommt schneller in die Läden.  H&M hingegen lässt in Bangladesh und anderen asiatischen Ländern nähen. Das bringt Zeitverzögerungen mit sich, was dazu führt, dass die falschen Klamotten in den Läden liegen.

Wie reagiert das Management?

Vorstandschef Karl-Johan Persson betont, dass das Unternehmen in puncto Lieferkette besser sein könnte. Es werde nun daran gearbeitet, schneller und flexibler zu werden. Das schließe Investitionen in IT-Technologie wie RFID und automatisierte Lagerhäuser ein. Neue Analyse-Software soll die Sortimentsplanung, die Logistik und den Verkauf verbessern. Im Prinzip geht es darum, dass mittels der elektronischen RFID-Etiketten an der Ware quasi in Echtzeit gemeldet wird, wie der Verkauf läuft. Stimmen die abgesetzten Stückzahlen nicht, kann kurzfristig umgesteuert  werden. H&M will damit den Rückstand zu  Inditex in puncto Geschwindigkeit aufholen.

Gibt es weitere Rivalen hierzulande?

Es werden immer mehr. Zum irischen Billiganbieter Primark kommt der US-Anbieter TK Maxx, der sich auf preisreduzierte Ware spezialisiert hat. Die Amerikaner und die Iren habne sich sehr schnell namhafte Marktanteile gesichert und verfolgen ehrgeizige Expansionspläne. Aldi und Lidl haben überdies im vorigen Jahr bewiesen, dass sie das Discountprinzip – große Mengen mit hoher Geschwindigkeit verkaufen – auch bei eigenen Modekollektionen von renommierten Designern verstehen. Auch hier gibt es Pläne, das Angebot auszuweiten. Und schließlich wird demnächst „Saks Off 5th“ an den Start gehen. Das ist ein Edeloutlet des Kaufhof-Eigners Hudson‘s Bay. Die Kanadier wollen in mehreren Innenstädten Kaufhof-Sporthäuser für günstige Mode umbauen. Die ersten fünf Filialen – unter anderem in Frankfurt – sollen im Sommer eröffnet werden.

Welche Folgen haben diese Entwicklungen für die Textilbranche?

Der Wettbewerb wird sich in diesem Jahr noch weiter verschärfen. Darunter werden insbesondere deutsche Textilhändler aus dem Mittelstand leiden. Es gab 2016 eine Reihe von Insolvenzen von namhaften Firmen wie Strenesse. Andere Anbieter wie Tom Tailor mussten heftige Sparprogramme fahren. Experten sehen erwarten weitere düstere Zeiten für den Mittelstand, da er weder beim Einkaufsvolumen und damit beim Preis noch bei der Geschwindigkeit beim Wechsel der Kollektionen mithalten kann.