Vor ein paar Jahren waren Seltene Erden als Geldanlage der Renner. Mit Hochglanzprospekten versuchten Banken den Anlegern diese Rohstoffe, etwa in Form von Partizipationszertifikaten, schmackhaft zu machen: Die Vorkommen der Seltenen Erden seien weltweit gering, der industrielle Bedarf dafür enorm – zum Beispiel für die Herstellung von Handys. Da könne der Preis nur kräftig steigen, so die Argumentationskette. Doch wer sich damals ködern ließ, dürfte das mittlerweile bitter bereut haben: Anleger, die zum Beispiel Ende 2010 auf Seltene Erden setzten, sitzen nun auf Verlusten von bis zu 90 Prozent.

Bei den Seltenen Erden handelte es sich um einen typischen Modetrend, wie er bei der Geldanlage immer wieder vorkommt. Ob Gold und Silber, Solaraktien, Hochzinsanleihen angeschlagener Staaten oder Unternehmen, Windkraft oder Ost-Immobilien: Immer wieder werden Anleger in Scharen in diese Produkte gelockt.

In vielen Fällen allerdings erweisen sich diese Anlagen nur für die emittierenden Banken und Makler als gutes Geschäft. Für die Anleger dagegen enden diese meist voller Euphorie getätigten Investments oft mit einer bitteren Enttäuschung.

„Einen Trend zu erwischen ist selten einfach. Es ist immer die Frage, wer es als erster erkennt“, sagt Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement in Königstein. So seien es meistens die professionellen Anleger, die als erstes in einen als interessant identifizierten Markt investieren. Andere professionelle Anleger würden folgen.

„Bis es dann Privatanleger entdecken, kann es sein, dass der Trend bereits so weit gegangen ist, dass es nicht mehr viel zu verdienen gibt“, so Eilers. Oder die Privatanleger steigen sogar erst dann ein, wenn der Trend bereits wieder in die andere Richtung läuft. Dann machen sie von Anfang an Verluste.

„Die letzten beißen die Hunde“

Ein Beispiel für eine solche Entwicklung sei der Immobilienboom in Ostdeutschland nach der Wende gewesen. „Die ersten, die Ostimmobilien erwarben, zahlten extrem günstige Preise. Doch diejenigen, die erst Mitte der 90er Jahre eingestiegen sind, sind selten glücklich geworden“, erinnert sich Eilers.

Ein weiteres Beispiel sei der Boom von hochverzinslichen Risikoanleihen in den 90er Jahren gewesen. Diese brachen in den Jahren 1987 bis 1989 völlig zusammen, was in den USA zur Pleite vieler Sparkassen führte, die diese Hochzinsanleihen in der Hoffnung gekauft hatten, ihre Renditen damit aufzupolieren.

Für die Anleger kommt es deshalb darauf an, einen solchen Modetrend, der in der Regel allenfalls ein paar Jahre andauert, von richtigen, lang anhaltenden Trends zu unterscheiden. Denn letztere versprechen durchaus langfristig attraktive Renditen. Doch wie lassen sich solche „Goldesel-Trends“ erkennen?

Anhaltspunkte für langfristige Trends

Der Wuppertaler Vermögensverwalter Michael Pintarelli kann dafür zumindest Anhaltspunkte ausmachen: „Langfristige Trends wirken sich immer gesamtgesellschaftlich und über viele Jahre hinweg aus. Sie können sehr prägend sein. Unter anderem gehört die Alterung der Gesellschaft dazu.“ Modetrends seien dagegen häufig Ausdruck von Übertreibungen. Als Beispiel macht Pintarelli den Solar-Boom vor einigen Jahren aus: „Die Aktien solcher Unternehmen wurden überall empfohlen, so dass die Kurse viel höher waren als die tatsächlichen Werte.“

„Hilfreich ist immer zu beobachten, wie viele neue Produkte gerade in einer Kategorie an den Markt kommen. Das ist der klassische Schweinezyklus“, sagt Lothar Koch, Portfoliomanager GSAM + Spee Asset Management AG in Langballig. Ein Markt laufe eine Weile gut und schon kämen neue Produkte an den Markt. „Der Trend, obwohl schon oft längst zu Ende, wird durch das Marketing der Vertriebsorganisationen ausgeschlachtet“, kritisiert Koch.

Für Modetrends gibt es auch aktuelle Beispiele wie Wohnimmobilien in den begehrtesten Lagen der Großstädte sowie Rentenfonds, die von allen Banken derzeit angepriesen würden und in die derzeit Milliardenbeträge fließen, sagt Eilers. Diese Fonds hätten zwar in der Vergangenheit Traumrenditen erzielt, da die Zinsen weltweit immer weiter gesunken sind. Doch wer diese Fonds heute besitze, riskiere enorme Verluste, wenn die Zinsen wieder steigen.

Modetrends würden immer nach einem ähnlichen Schema ablaufen, so Eilers: Zunächst laufe ein Trend erfolgreich meist zwei bis drei Jahre oder auch etwas länger. Die Verkäufer können dann auf traumhafte Charts verweisen, die Kurs- und Renditeverläufe der Vergangenheit darstellen. „Es wird suggeriert, dass diese Renditen auch in Zukunft zu erzielen sind. Leider kann man konstatieren: Die letzten beißen die Hunde“, warnt Eilers.

Das Marktgeschrei der Produktlobbyisten

Für Thomas Wüst, Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung aus Stuttgart, sind die echten Trends in der Geldanlage nicht schwer auszumachen: „Es lässt sich relativ einfach feststellen, ob an den Finanzmärkten eine Hoch- oder Niedrigzinsphase herrscht.“ Auch könne man relativ einfach erheben, ob Aktien aktuell eher günstig, fair oder hoch bewertet seien. „Die Kunst dabei ist aber, sich diszipliniert und vor allem unabhängig vom dem Marktgeschrei der Produktlobbyisten nach dieser zeitlosen Analyse auszurichten“, so Wüst.

Ein Warnsignal seien Empfehlungen, die auf den Ängsten der Anleger basieren, wie aktuell Produkte mit Inflationsschutz. „Anleger dürfen sich von den schlüssigen Argumentationsketten in den Werbebroschüren nicht blenden lassen“, warnt Wüst. Da diese Informationen öffentlich zugänglich seien, seien sie im Börsenkurs bereits enthalten.

„Für die Fortsetzung eines Modetrends ist es notwendig, dass es in Zukunft noch besser läuft als in der Hochglanzbroschüre des Produktanbieters beschrieben. Und inwieweit dies realistisch erscheint, sollte ein Anleger stets kritisch hinterfragen“, so Wüst.